
Im Beitrag erfahren Sie, wie Lehrkräfte Rollenbilder ändern und Schüler motivieren können.
Eine Klassenfahrt bietet weit mehr als einen Tapetenwechsel. Sie stellt einen geschützten Raum dar, in dem sich soziale Dynamiken neu ordnen und individuelle Stärken sichtbar werden. Lehrer stehen hier vor der Aufgabe, festgefahrene Rollenbilder aufzubrechen. Wer im Unterricht durch mangelnde Konzentration auffällt, beweist beim Klettern im Wald vielleicht Teamgeist oder Ausdauer.
Die Psychologin Carol Dweck unterscheidet zwischen einem statischen Selbstbild (Fixed Mindset) und einem dynamischen Selbstbild (Growth Mindset). Während das statische Denken davon ausgeht, dass Talente unveränderbar sind, setzt das dynamische Denken auf Entwicklung durch Anstrengung und Strategie. Lehrerinnen und Lehrer sollten sich immer das „Growth Mindset“ als Grundlage nehmen, insbesondere da sie mit jungen Menschen arbeiten, die diese positive Unterstützung brauchen.
Sätze wie „Aus dem wird nie etwas“ zementieren Misserfolge und gehören daher nicht in den Mund einer Lehrerin oder eines Lehrers. Eine wachstumsorientierte Haltung hingegen nutzt die Klassenfahrt, um einer Schulklasse neue Lernwege zu eröffnen.
Wenn ein Lehrer die Neugier einer Schülerin wecken kann und auch kleine Fortschritte würdigt, wird das Kind oder der Jugendliche Selbstvertrauen gewinnen und innerlich wachsen. Ein Kind, das im Mathematikunterricht scheitert, beweist beim Aufbau eines Nachtlagers vielleicht handwerkliches Geschick oder Teamgeist.
Bewerten Sie weniger, sondern stecken Sie Zeit in die Reflexion:
Ermöglichen Sie zudem einen Rollenwechsel und vergeben Sie Aufgaben bewusst gegen die tägliche Routine. Der zappelige Schüler darf sich ein Entspannungsprogramm überlegen. Die verpeilte Schülerin übernimmt die Koordination beim Kochen. Wichtig: Zwingen Sie niemanden. Es geht darum, neue Seiten von Schülerinnen und Schülern kennenzulernen, nicht sie zu bloßzustellen.
Wenn sich Schülerinnen und Schüler auf einer Klassenfahrt von einer neuen Seite zeigen, können sie ihre Lehrkräfte oft überraschen. Schnell kommt da der Gedanke: „Das hätte ich von diesem Jungen nicht gedacht.“
Nehmen wir beispielsweise einen Schüler namens Luca und ein Projekt zur Naturerkundung. Luca gilt in diesem fiktiven Beispiel als lernschach im Mathematikunterricht. Am Bach ist er plötzlich wie ausgewechselt. Er schlüpft als erster in seine Gummistiefel, entnimmt konzentriert und interessiert Proben und übernimmt dann sogar die Programmierung der Sensoren für eine digitale Gewässeruntersuchung.
Die Erwartungshaltung seiner Lehrerin verschiebt sich während der Projektwoche von „Defizit“ zu „Ressource“. Das Ergebnis: Lucas Selbstbewusstsein steigert sich und das wirkt sich nicht nur positiv auf Luca selbst aus, auch die Meinung der Klassenkameraden und die Einstellung der Lehrerkraft Luca gegenüber ändern sich nachhaltig.
Worte formen die Realität auf Klassenfahrt. Eine neugierige Haltung drückt sich vor allem in der Art des Feedbacks durch die Lehrerin oder den Lehrer aus. Statt angeborene Intelligenz zu loben, rücken Sie die Strategie und den Einsatz in den Fokus. Dies verhindert, dass Schüler bei Misserfolgen an ihrem Wert zweifeln.
Ein wirkungsvolles Werkzeug ist das Wort „noch“. Wenn ein Jugendlicher sagt: „Ich kann das nicht“, ergänzen Sie innerlich oder im Gespräch: „Du kannst das noch nicht.“ Diese kleine Erweiterung öffnet den Raum für zukünftige Lernprozesse. Auf einer Klassenfahrt begegnen den Kinder und Jugendlichen viele Situationen, in denen sie an Grenzen stoßen. Das Vertrauen der Lehrkraft wirkt hier als Katalysator.
