Frag die Reiseexperten: 0 35 04/ 64 33-0

Streit, Mobbing und Gewalt auf Klassenfahrt: Tipps für Lehrkräfte

Streit zwischen Schülerinnen und Schülern ist grundsätzlich keine schöne Angelegenheit. Als Lehrkraft muss man im Schulalltag oft mit Konflikten umgehen und auch auf der gemeinsamen Klassenfahrt lassen sich leider manchmal Streitigkeiten nicht vermeiden, da die Kinder dort viel mehr Zeit miteinander verbringen. Als Lehrkraft ist es immer wichtig Ruhe zu bewahren, unparteiisch zuzuhören und vor allem auch den Schweregrad der Streitigkeiten richtig einzuschätzen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Lehrkräfte Streit schlichten, Mobbing erkennen und Gewalt auf Klassenfahrten vorbeugen können.

Konflikte und Streit auf Klassenfahrt

Streit zwischen Schülerinnen und Schülern ist auf Klassenfahrten keine Seltenheit. Die ungewohnte Umgebung, fehlende Rückzugsorte und intensive Gruppendynamiken verstärken Spannungen. Wichtig ist, Konflikte frühzeitig zu klären, damit sie nicht das gesamte Klassenklima belasten.

Streitschlichtung bei der Klassenfahrt

Es gibt verschiedene pädagogische Ansätze, um Streitigkeiten zu klären, eine Lösung, die zunehmend an Popularität gewinnt, ist die Streitschlichtung. An vielen Schulen wird bereits seit Jahren das Konzept der Streitschlichtung genutzt, und es ist ohne Probleme auch auf eine Klassenfahrt zu übertragen.

Was ist Streitschlichtung?

Der Deutsche Bildungsserver definiert: „Mediation bedeutet Vermittlung und ist ein Verfahren zur Konfliktlösung. Ein Mediator ist als unparteiischer Dritter bei der Konfliktlösung behilflich, d.h. die Lösung eines Konfliktes wird nicht von den Streitschlichtern vorgegeben, sondern von den Kontrahenten erarbeitet. Dabei helfen die Streitschlichter den Betroffenen sich über ihre Gefühle und Interessen klar zu werden und sie verständlich zum Ausdruck zu bringen. Das gemeinsame Ziel ist es, eine Lösung ohne Verlierer zu finden.“

Ganz wichtig ist es, dass auch die beiden streitenden Parteien sich an der Lösung beteiligen wollen, sonst funktioniert es nicht. Der Streitschlichter diktiert nicht die Lösung auf, sondern sie soll gemeinsam als Kompromiss gefunden werden.

Ablauf der Streitschlichtung:

  • 1. Vorphase: Regeln und Rahmenbedingungen klären
  • 2. Klärungsphase: Beide Seiten schildern ihre Sicht
  • 3. Lösungsphase: Gemeinsamer Kompromiss und Vereinbarung

Mobbing auf Klassenfahrt erkennen und vorbeugen

Leider kommt es auch vor, dass auf der Klassenfahrt deutlich ernstere Probleme wie Mobbing oder Gewalt vorkommen und bewältigt werden müssen. Besonders kritisch ist, dass betroffene Kinder der Situation kaum entkommen können.

Was ist Mobbing und wie kann man es erkennen?

Dan Olweus definiert in seinem Buch Mobbing in Schulen: Fakten und Intervention Mobbing folgendermaßen: <[…], kann Mobbing definiert werden als „vorsätzliches, wiederholt negatives (unangenehmes oder verletzendes) Verhalten von einer oder mehreren Personen einer anderen Person gegenüber, die Schwierigkeiten hat, sich zu verteidigen“.>

Mobbing findet über einen längeren Zeitraum statt und es besteht immer eine Unverhältnismäßigkeit der Kräfte zwischen Aggressoren und dem Opfer.

Anzeichen für Mobbing:

  • systematische Ausgrenzung
  • häufiges Fehlen oder Krankheit
  • Rückzug, Stresssymptome, Bauch- oder Kopfschmerzen
  • Angst vor Mitschülerinnen und Mitschülern

Auch Zuhause kann sich das Verhalten einer Schülerin oder eines Schülers verändern. Erhöhte Stresslevel beim Thema Schule und Mitschüler, häufige Krankheit wie Kopf- oder Bauchschmerzen können Indikatoren für Probleme mit den Klassenkameraden sein.

Es ist wichtig Mobbing bereits vor der Klassenfahrt zu erkennen und entgegenzuwirken, denn während der Schulfahrt ist das betroffene Kind den Schikanen ununterbrochen ausgesetzt.

Cybermobbing auf Klassenfahrt

Das Cybermobbing ist eine Weiterführung des Mobbings auf den sozialen Medien. Die Mobbingopfer werden online in Foren und auf sozialen Netzwerken verhöhnt, Bilder von ihnen veröffentlicht oder sie werden auf andere Art bloßgestellt. Diese Form von Mobbing ist besonders schwierig und stressvoll für die Opfer, da es sich nicht nur auf die Schule beschränkt, sondern rund um die Uhr und überall stattfindet. Außerdem ist die Reichweite solcher Nachrichten viel größer.

Während einer Klassenfahrt ist es für die Lehrkraft sehr schwer dieser Art von Mobbing Einhalt zu gebieten. Ein klar kommuniziertes Handyverbot oder feste Medienzeiten können helfen, Cybermobbing einzudämmen.

Was kann man gegen Mobbing tun?

Prävention ist der wichtigste Schutz:

  • Mobbing im Unterricht thematisieren
  • Klassengemeinschaft stärken
  • Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler fördern
  • klare Regeln gemeinsam aufstellen

Je geschlossener die Klasse gegen Ausgrenzung auftritt, desto geringer ist das Risiko für Mobbing. Indem man das Thema in den Unterricht einbindet, werden die Schülerinnen und Schüler für Mobbing sensibilisiert. Sie lernen sich für die anderen stark zu machen, und nicht mit dem Mobbingtreiber an einem Strang zu ziehen. Wenn die Klasse sich gegen Mobbing stark macht, kann es eine extreme Ausgrenzung nicht geben.

Egal ob Zuhause oder in der Schule, die Kinder sollten unterstützt und gestärkt werden – wenn Schüler ein gesundes Selbstbewusstsein haben, ist es schwieriger sie zu mobben.

Gibt es bereits Mobbingfälle, so ist eine Intervention nötig. Es gibt speziell-organisierte Kurse für Schulklassen und manche Schulen entscheiden sich für eine Projektwoche zum Thema Mobbing und holen sich Experten an die Schule, die dort mit den Kindern arbeiten.

Es gibt auch speziell organisierte Klassenfahrten mit dem Ziel der Streitschlichtung, wo an einem neutralen Ort außerhalb der Schule ein neuer Weg für das Miteinander im Klassenverband gesucht wird.

Gewalt auf Klassenfahrt – richtig reagieren

Gewalt auf Klassenfahrt erfordert konsequentes Handeln. Lehrkräfte sollten schon in der Vorbereitung klare Rahmenbedingungen schaffen und diese am Besten in der Einverständniserklärung und den der Klassenfahrt vorangehenden Belehrungen kommunizieren. Auf der von den Eltern zu unterzeichneten Erlaubnis sollte ausdrücklich stehen, dass, wer gewalttätig wird, nach Hause geschickt wird, einerseits um zu verhindern, dass das passiert, andererseits damit im Notfall ohne Probleme durchgegriffen und das Kind auf eigene Kosten nach Hause geschickt werden kann.

Wichtige Maßnahmen:

  • Gewaltfreiheit klar kommunizieren
  • Konsequenzen schriftlich festhalten
  • Vorfälle dokumentieren
  • bei Gefahr: Polizei einschalten

Ein Ausschluss von der Klassenfahrt ist eine Ordnungsmaßnahme und muss rechtlich korrekt erfolgen. Daher ist es sinnvoll, als Lehrkraft unterwegs jegliche Verstöße zu dokumentieren, um die Schülerin bzw. den Schüler rechtlich belangen zu können, sollte dies nötig sein. Denn ein Ausschluss von der Klassenfahrt zum Beispiel ist eine Ordnungsmaßnahme, die nur von dem Schulleiter vorgenommen werden kann und die sich strikt an alle Regeln der Schulordnung halten sollte, da sie im Nachhinein rechtlich angefochten werden kann.

Bei einer Rauferei kann es eventuell helfen, wenn beide Seiten getrennt werden und sich abkühlen. Es gibt aber Gewaltakte, die keineswegs ungeahndet bleiben sollten.

Auch im Unterricht können und sollten Mobbing und Gewalt behandelt werden. Die Klasse wird dadurch aufgeklärt und sensibilisiert. Wenn klar kommuniziert ist, dass Ausfälle strenge Konsequenzen haben, kann meist bereits im Vorfeld das Schlimmste verhindert werden. Sind alle Mitschülerinnen und -schüler wachsam, so ist es schwieriger eine einzelne Person auszugrenzen und der Druck auf den oder die Anstifter erhöht sich gleichzeitig.

Wenn Lehrkraft, Eltern und die Klasse miteinander reden, gemeinsam schriftlich Regeln aufstellen und zusammenarbeiten, kann hoffentlich eine friedliche Klassenfahrt von allen Seiten genossen werden.

Klassenfahrten bei schulfahrt.de finden

Häufig gestellte Fragen:


Ein beliebtes und erprobtes Lösungskonzept bei Konflikten zwischen Schülerinnen und Schülern ist die Streitschlichtung. Hier treten andere Schüler oder die Lehrkraft als neutrale Vermittler ein und alle suchen eine gemeinschaftliche Lösung, mit der alle Parteien einverstanden sind.
Bei Mobbing sind eine frühzeitige Erkennung oder direkte Präventionsmaßnahmen wichtig, um erfolgreich Mobbing zu vermeiden. Gibt es bereits einen verfestigten Mobbingfall, bei dem der Großteil der Schülerinnen und Schüler wegschaut, so sollte auf Interventionsprogramme gesetzt werden. Cybermobbing lässt sich beispielsweise durch ein Handyverbot vermeiden.
Bei Gewaltakten liegt es im Ermessen der Lehrkraft, wie reagiert werden soll. Wenn ein Ausschluss der Täterin oder des Täters angestrebt wird, sollten unbedingt die bestehenden Regeln der Schulordnung befolgt werden, da diese Entscheidung rechtlich belangt werden kann.
Anja Rost

Ein Beitrag von Anja Rost
Zuletzt aktualisiert am 12.02.2026 unter der Kategorie: Während der Reise

Tags: Verhaltensregeln, Während der Reise