Klassenfahrten mit Handicap

  • Auch Schüler mit Behinderung haben ein Recht, an der regelmäßig stattfindenden Klassenfahrt teilzunehmen.
  • Als Reiseziele eignen sich urbane Gefilde mit entsprechender Barierefreiheit besser als ein Kletter- oder Waldurlaub.
  • Finanzielle Mehrkosten werden - leider abhängig von Bundesland und Behinderung - von verschiedenen Ämtern übernommen: wir bieten hier hilfreiche Querverweise.

Eine Klassenfahrt mit Schülern mit Behinderung zu organisieren, stellt den Lehrer vor Probleme. Nimmt die Reisevorbereitung für nichtbehinderte Schüler schon viel Zeit in Anspruch, gilt es für gehandicapte Schüler zusätzliche Hürden zu überspringen. Das Team von schulfahrt.de gibt Ihnen Hilfestellungen und erinnert Sie an wichtige Punkte.

Inklusion gestaltet sich noch immer schwierig

Häufig zwingt eine Behinderung die Schüler in den Rollstuhl. Das ist weniger ein Problem, wenn die gesamte Klasse als Kollektiv organisiert ist und die betreuenden Pädagogen entsprechend ausgebildet sind, als bei einer Integrationsklasse mit ein oder zwei Rollstuhlfahrern. Lehrer und betroffene Schüler stecken in einer Zwickmühle. Einerseits möchte der Lehrer allen Schülern eine Schulfahrt bieten, doch Barrierefreiheit hat auch heute noch Preis und Mühe, so dass die Kosten für alle steigen würden. Andererseits ist es den betroffenen Schülern unangenehm wegen ihrer fehlenden Mobilität im Mittelpunkt zu stehen. Pädagogen fühlen sich hier von der Politik im Stich gelassen.

Viele Schulen machen es sich dann einfach: Mangels fehlender Bemühungen werden Rollstuhlfahrer während der Klassenfahrt in Parallelklassen geschickt. Ein Vorgehen, das in der EU als ausgrenzend gilt. Und zwar durch die 2009 in Kraft getretenen EU-Behindertenrechtskonvention (CRPD), die in diesem Fall zum Januskopf wird. Artikel 24 regelt die gemeinsame Beschulung von Behinderten und Nicht-Behinderten an Inklusionsschulen – beide genießen dieselben Menschenrechte und Grundfreiheiten, was jedoch viele Lehrer schon im Schulalltag überfordert. Nichtsdestotrotz widerspricht ein Ausschluss behinderter Schüler von der Klassenfahrt – schließlich unverzichtbaren Teil der Ausbildung – der Konvention.

Bewusstsein bei den Schülern schaffen

Um einen Ausschluss im Vorhinein den Wind aus den Segeln zu nehmen, bietet sich eine klasseninterne Diskussion über das Klassenfahrten-Ziel an. Einen Kletter- oder Wanderurlaub macht für Schüler mit Behinderung weniger Sinn, als eine Klassenfahrt in urbaneren Gefilden mit entsprechender Infrastruktur und Barrierefreiheit. Ein konstruktives Verhandeln im Klassenverband schaffen möglicherweise Umdenken und Sensibilisierung.

Die finanziellen Mehrkosten können vom Lehrer oder Erziehungsberechtigten in Absprache beantragt werden. Allerdings sind die Zuständigkeiten von Bundesland zu Bundesland, von Behinderung zu Behinderung unterschiedlich, was die Antragstellung zu einem zermürbenden Prozess werden lässt, wenn sich die Ämter, u.a. Jugendamt, Sozialamt, Pflegekasse um die Kostenübernahme streiten. Ebenso kann eine Begleitperson, sog. Integrationshelfer, Einzelfallhelfer, Schulbegleitung etc. zur Entlastung des Lehrers beantragt werden. Kosten- und Begleithilfe zu organisieren fordert dem Lehrer Eigeninitiative ab und ist der kräftezehrendste Teil der Reisevorbereitung mit behinderten Mitfahrern. Erste Hilfe gibt es in Foren wie reha-kids.de oder intakt.info.

Unterkünfte und Aktivitäten mit Barrierefreiheit

Ebenfalls eine Fleißarbeit ist das Aufspüren nach geeigneten Unterkünften. Erste Anlaufstelle sollten die Landesverbände der deutschen Jugendherbergen sein, die auf ihren Webseiten über die Barrierefreiheit ihrer Einrichtungen informieren. Informationen über passende Objekte und ihrer Zugänglichkeit finden sich bspw. in den Landesverbänden Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland, Unterweser-Ems oder Bayern. Schon die Reise zum Zielort wird ohne einen behindertengerechten Bus unmöglich. Hier gilt es, sich über regionale Reiseunternehmen zu informieren, die solche Busse führen. Aufgrund des begrenzten Angebots, sollte dies recht früh in der Reisevorbereitung geschehen.

Barrierefreiheit ist zudem das Zauberwort während aller Aktivitäten während der Klassenfahrt. Egal ob es mit den öffentlichen Nahverkehr weitergeht, ein Besuch im Museum ansteht oder die Nachtwanderung geplant wird. Auch das meistern Sie!

Vorbereitung

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