Klassenfahrt und Religion

  • Religiöses Erziehungsrecht der Eltern und Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule stehen gegenüber – oft im Kontrast
  • Klassenfahrt und Religion schließen sich nicht aus, Voraussetzung ist ein direkter Dialog zwischen religiösen Eltern und Lehrer
  • Zugeständnisse machen: Klassenfahrten sollen das Gemeinschaftsgefühl fördern, die individuelle Person tritt zurück

Streng religiöse Eltern machen es Lehrern in Deutschland immer wieder schwer, die allgemeine Schulpflicht auch auf der Klassenfahrt durchzusetzen. Die Ausübung von Religion schließt ihn ihren Augen häufig die Teilnahme des Kindes an der Klassenfahrt aus. Es kann Lehrern helfen, in einen direkten Dialog zu treten und Vereinbarungen zu treffen, um die Eltern zu einem Rückzug zu bewegen.

Religion als Gretchenfrage für die Klassenfahrt

Nicht nur Familien mit Migrationshintergrund, die den muslimischen Glauben ausüben, stehen ihren Kindern bei der Teilnahme an Klassenfahrten im Weg, sondern auch bestimmte christliche Glaubensgemeinschaften haben strenge Vertreter in ihren Reihen, die vor allem ihre Töchter unangemessenen Situationen ausgesetzt sehen. Die Gründe sind die jedoch dieselben: Die Angst, dass die Mädchen Kontakt mit Jungs haben könnten oder dass sie keine Zeit zum regelmäßigen Beten haben werden.

In der Bundesrepublik ist die Glaubensfreiheit fest im Grundgesetz verankert. Das religiöse Erziehungsrecht liegt dabei bei den Eltern. Dem aber steht der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schulen gegenüber. Dieses duale System würde nicht funktionieren, wenn die Eltern bei allen Bedenken ihr Kind von der Schule nähmen und auch Alternativen ausschlügen. Zu diesem Urteil kommt das OVG Bremen in 2013. In diesem Fall hieß es in Juristendeutsch: „Wer sich als Beteiligter einer solchen Konfliktentschärfung verweigert und annehmbare Ausweichmöglichkeiten ausschlägt, muss notfalls als Konsequenz hinnehmen, dass er sich nicht länger gegenüber dem anderen Beteiligten auf einen Vorrang seiner Rechtsposition berufen darf“. Kurzum: Das Kind musste auf die Klassenfahrt geschickt werden.

Während für Christen oftmals keine Gründe bestehen mit kleineren Kompromissen ihr Kind auf die Klassenfahrt zu schicken, sieht die Lage bei Muslimen häufig anders aus. Die Glaubensausübung dieser Religion gestaltet sich auf Klassenfahrten weitaus schwieriger. Das OVG Münster entschied 2002 zugunsten einer muslimischen Familie, indem es dem Verlust der adäquaten Glaubensausübung einen Krankheitswert zusprach. Muslime argumentieren dann richtigerweise mit folgenden Argumenten: die unwissentliche Aufnahme von Schweinefleisch, das Versäumen der fünf täglichen Gebete, die Furcht das Kopftuch zu verlieren und sich unbekleidet zeigen zu müssen.

Aufklärungsarbeit im direkten Dialog schaffen

Nichtsdestotrotz ist es mit ein wenig Anstrengung nicht unmöglich, besonders religiöse Kinder mit auf die Klassenfahrt zu nehmen. Die Lösung kann nur in der Annäherung beider Parteien liegen, die allerdings auf Zugeständnissen basiert. Suchen Sie als Lehrer den Dialog in einer vertraulichen Elternsprechstunde, um die Bedenken muslimischer Eltern in Erfahrung zu bringen und um entsprechend darauf eingehen zu können. Leisten Sie Aufklärungsarbeit und treffen Sie verbindliche Vereinbarungen.

Aber bedenken Sie: Bei einer Klassenfahrt geht es um das Gemeinschaftserlebnis. Es sollte nicht dadurch gestört werden, dass muslimische und nicht gläubige Kinder durch die verschiedenen Tagesabläufe und Einschränkungen in den Aktivitäten getrennt „ihr eigenes Ding machen“. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Sie wandeln. Sich darauf zu besinnen, was eine Klassenfahrt laut Bildungsauftrag ausmacht, ist des Rätsels Lösung: die Verbesserung des Gemeinschaftsgefühls innerhalb der Klasse, das Schaffen von schönen Erinnerungen, die Förderung des Einzelnen durch die Gemeinschaft. Für ein Zusammengehörigkeitsgefühl müssen religiöse Kinder hier und da individuell zurücktreten. Den Erziehungsberechtigten das zu vermitteln, ist eine Mammutaufgabe.

Der Idealfall/ unsere Vision einer toleranten Welt

Genau dafür ist eine Klassenfahrt ab etwa der 7. Klasse auch durchaus mit einem speziellen Inhalt möglich: Kinder und Jugendliche erleben ja dabei oft auch religiöse Themenwelten ganz neu- hier nur ein paar Anregungen:

Wie selbstverständlich die Italiener am Abend die Messe besuchen und dabei noch ihre sozialen Kontakte pflegen ist anrührend. In Spanien ist das genauso – es gehört einfach immer irgendwie dazu und wirkt nie aufgesetzt. In Istanbul treffen wir dann wirklich alles. Auch Kirchen, die gut besucht sind -nur ohne Glockengeläut an normalen Tagen. Die vielen Moscheen, die eben einfach zum Stadtbild gehören und auch jedem Touristen weitgehend offenstehen. Menschen aus allen Teilen Asiens, Afrikas und des Nahen und Mittleren Ostens, Europäer, Japaner usw. - und alle kommen wegen der Vielfalt- auch in puncto Religion.

Also erleben die Schüler in anderen Regionen Deutschlands- aber vor allem auch im Ausland oft andere Religionen – und oft ganz anders, als das ggf. in den Familien erwartet/ diskutiert/ vermutet und bewertet wird. Hier hilft den Jugendlichen eine Reise mehr als viele Wochen Religionsunterricht bei der Orientierung in der Welt der Religion und im Üben von Toleranz und Verständnis.

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