Saint-Malo - Korsaren- Freibeuter- Piraten? Die Geschichte der Seeräuberei in Frankreich



Saint Malo - Geschichte und Piraterie: Vorwort

Saint-Malo befindet sich an der Nordküste der Bretagne. Die Stadt liegt an der Mündung der Rance und ist vom gegenüber befindlichen Dinard über einen Damm erreichbar. Saint- Malo lohnt sich immer für einen Ausflug, denn die Stadt besitzt eine historische Altstadt mit einem großen Hafen. Daneben gibt es hier einmalige Strände, weshalb Saint-Malo auch als „Station Balnéaire“ = „Seebad“ bezeichnet wird.
Die Altstadt („ville close“) wird noch heute von drei Seiten vom Meer umgeben und zeichnet sich durch gigantische, wehrhafte Mauern aus. Innerhalb der historischen Stadtmauern befinden sich unzählige Steinhäuser, die nebeneinander aufgereiht sind und kleine, verwinkelte Gassen bilden. Der besondere Flair der Stadt entsteht durch die winzigen Läden, die charakteristische bretonische Produkte anbieten und die typischen französischen Cafés, die zum Bummeln einladen. Ein Besuch der Gezeiteninsel Grand Bé lohnt sich ebenfalls.

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Die Fahrt wird auch zu einem geschichtlichen Erlebnis, denn im siebzehnten Jahrhundert konnte sich Saint-Malo durch die Seefahrt stark bereichern. Die Blütezeit erlangte die Stadt durch die hier wohnenden Korsaren, die bei Handelsschiffen anderer Nationen gefürchtet waren. Reichtümer aus Indien und Neufundland machten es möglich, dass die in Saint-Malo wohnenden Reeder prächtige Stadthäuser bauen konnten. In vielen Familien war man nicht nur Reeder, sondern auch Korsar oder Freibeuter, was wiederum von Generation zu Generation weiter vererbt wurde. Freibeuterei brachte viel ein, zumal Frankreich sich in steter Konkurrenz mit anderen Seenationen wie den Engländern befand.

1590 wurde sogar eine Republik ausgerufen, welche jedoch nur bis 1594 Bestand hatte. Seitdem nennen sich die Bewohner Malouinen.

Korsaren

Wer waren die Korsaren, die Saint-Malo so berühmt machten? Die Bezeichnung „Korsar“ kommt von dem französischen Wort „corsaire“, was von dem italienischen Wort „corsaro“ und letzten Endes dem lateinischen „cursus“ kommt. Die lateinische Bezeichnung steht für „natürlich“. Die französische Bezeichnung steht seit dem Mittelalter für Piraten.

Korsaren waren Freibeuter, die im Auftrage des Königs von Frankreich Angriffe auf Schiffe französischer Feinde durchführten. Korsaren war erlaubt, Fregatten von Nationen zu überfallen, die mit Frankreich im Krieg lagen. Sie hatten sozusagen eine „Lizenz zum Überfall“.

Saint-Malo gewann seinen Reichtum durch die hier ansässigen Korsaren, die im 17. und 18. Jahrhundert entscheidend zur Entwicklung der Handelsstadt beitrugen. Korsaren waren keine einfachen Piraten, sondern mit einem offiziellen Kaperbrief („lettre de course“) ausgestattet. Dieser Brief war die Legitimation, feindliche Schiffe zu kapern und deren Besatzung zur Forderung von Lösegeld zu verschleppen. Über die Beute musste sogar sorgfältig Buch geführt werden. Die beschlagnahmten Schiffe einschließlich ihrer Fracht wurde versteigert. Ein Anteil davon gehörte dem König.

Die Korsarenschiffe genossen als Gegenleistung das Privileg französische Häfen anlaufen zu dürfen, um Reparaturen vorzunehmen und sich mit Proviant zu versorgen. Es entstanden sogar Aktiengesellschaften, die Schiffe ausrüsteten und auf reiche Beute spekulierten. Etwa ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden Kaperfahrten zum Gewohnheitsrecht. Schiffe kreuzten vor der Karibik, wo sie spanische Schatzschiffe aufbrachten. Selbst in Südostasien machten sie durch Kapern von Handelsschiffen, die mit Gewürzen beladen waren, große Beute.

Besonders gewinnbringend war der „commerce triangulaire“, bei dem Schiffe ausgehend von Saint-Malo nach Westafrika segelten, wo sie die Ladung gegen Sklaven eintauschten. Diese wurden wiederum mit großen Gewinnen an Plantagen in Brasilien, der Karibik oder Nordamerika verkauft. Anschließend kehrten die Schiffe beladen mit Gewürzen und Zucker wieder nach Saint-Malo zurück.

Korsaren kamen teilweise zu einem großen Wohlstand. Sie wurden Reeder oder stiegen in die höheren Gesellschaftsschichten auf.

Korsaren war jedoch nicht erlaubt, Schiffe der eigenen Nation oder neutraler Nationen zu kapern. Geschah dies, wurden sie als Piraten angesehen und gehängt.

Geschichte der Piraterie

Die Korsarentätigkeit begann schon im Mittelalter, wo ein Korsarenfreibrief nur in Kriegszeiten ausgegeben wurde. Korsaren durften also nur Kriegsgegner überfallen. Der Pirat durfte straffrei feindliche Schiffe überfallen, während der König ein Schiff und seinen Anteil an der Beute hinzugewann. Allerdings hielten sich nicht alle Korsaren an die Regel, feindliche Schiffe nur in Kriegszeiten zu überfallen. Oft brachen Sie die getroffenen Abmachungen und überfielen, auch in Friedenszeiten, Schiffe aller Nationalität. Diese Gruppe nannte sich Freibeuter.

Das Höhepunkt des Kaperwesens war zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Die Entdeckung Amerikas und die Suche der europäischen Großmächte nach Schätzen führte zu deren Blütezeit. Hinzu kamen die Entdeckungen der Spanier in der Neuen Welt, was englische, holländische und französische Korsaren verleitete, Handelsschiffe der Spanier oder Portugiesen auf dem Weg zwischen Amerika und Europa zu überfallen.

Wer in Saint-Malo das Sagen hatte, richtete sich nach dem jeweiligen Anführer der Korsaren.

Nach und nach verbesserten sich Geschwindigkeit und Wendigkeit der Korsarenschiffe. Diese Art von Piraterie wurde dadurch immer profitabler.

Mit dem Sieg über Napoleon erfolgte zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine völlige Neuordnung ganz Europas. Dadurch endete gleichzeitig das Zeitalter der Korsaren. Im Jahr 1856 erfolgte die Abschaffung des letzten staatlich sanktionierten Kaperschiffs.

Die Bretonen mussten sich jetzt mit Fischfang beschäftigen, den sie mit dem Export von Textilien verbanden. Fischfang und Textilwirschaft garantierten Saint-Malo bis zum Ersten Weltkrieg Wohlstand.

Berühmte Korsare

Viele französische Korsarenkapitäne haben die Weltmeere unsicher gemacht. Die Reihe beginnt mit Jeanne de Belleville, der „Tigerin der Bretagne“ und endet mit Étienne Pellot. Die Bretagne und insbesondere Saint-Malo brachte viele Korsaren hervor, die heute noch zu den schillernden Figuren der Piraterie zählen.

Einer davon war René Duguay-Trouin, der von 1673 bis 1736 lebte. Geboren in Saint Malo wurde er 1689 Seemann. Er glänzte durch seine hervorragenden Qualitäten als Kapitän von Kaperschiffen während des pfälzischen Erbfolgekrieges, wo er gegen England und dessen Verbündete Spanien und Holland aktiv war. Auseinandersetzungen gab es im Ärmelkanal sowie in Westindien und bei Neufundland. Rene Duguay-Trouin war an der Erbeutung von mehr als 4.000 Schiffen beteiligt. 1694 wurde er verwundet, anschließend gefangen genommen und wieder befreit. 1711 konnte er sogar Rio de Janeiro erobern, was ihm den Adelstitel verschaffte. Anschließend machte er noch Karriere als Generalleutnant und Staatsratsmitglied.

Aus Saint-Malo stammt auch der von 1773 bis 1827 lebende Robert Sureouf. Er begann seine Karriere als Kaperfahrer in der französischen Kronkolonie Mauritius. In mehr als vier Jahren konnte er 47 englische Schiffe kapern, weshalb die Engländer auf ihn ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Franc aussetzten. Höhepunkt war das Kapern der „Kent“. Surcouf ging mit 36 Jahren in den Ruhestand und ließ sich in Saint-Malo nieder.



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