Max braucht Schrott - die Story



Den Aufruf "Max braucht Schrott", "Max braucht Knochen" und "Max braucht Wasser" der Freien Deutschen Jugend (FDJ) konnten junge Menschen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mehrfach vernehmen. Doch wer oder was steckte dahinter? In jedem Fall ist die Geschichte von "Max" ein interessantes Kapitel für den Geschichtsunterricht, das sogar mit einer lehrreichen, unterhaltsamen Klassenfahrt verbunden werden kann!

Wer war Max und wozu brauchte er "Wasser, Knochen und Schrott"?

1872 wurde in Unterwellenborn (Thüringen) die Maximilianhütte als Zweigstelle der oberpfälzischen Maximilianhütte Sulzbach-Rosenberg errichtet, ein Stahl- und Walzwerk. 1992, nach 120 Jahren Betrieb, wurde ihre Produktion eingestellt und das Werk wurde größtenteils abgerissen.

Besichtigen Sie die Maximilianhütte auf Ihrer Klassenfahrt nach Thüringen. Fragen Sie bei uns gern an.

Auf dem früheren Maxhüttengelände befindet sich heute unter anderem eines der fortschrittlichsten Stahlwerke des europäischen Kontinents. Im Industriedenkmal "Gasmaschinenzentrale" kann man sich auf beeindruckende Weise über die Geschichte der Maximilianhütte, den metallurgischen Herstellungsprozess und viele andere interessante Fakten rund um die Stahlproduktion informieren. Ein ideales Ausflugsziel für eine Klassenfahrt!

"Max" war die Abkürzung für "Maxhütte" welche Mitte des 19. Jahrhunderts im thüringischen Unterwellenborn errichtet wurde. Von 1921 - 1946 gehörte das Werk zum Flick-Konzern, der in den 80er Jahren wegen Bestechung etlicher Parteigrößen der damaligen Zeit in Verruf geriet.

1936 wurde das Werk aufgrund der Kriegsvorbereitungen des NS-Regimes komplett auf Rüstungsproduktion umgestellt. Zahlreiche Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus den von Deutschland besetzten Ländern wurden während des Zweiten Weltkrieges in der Maxhütte Unterwellenborn eingesetzt.

Im Winter 1948/49 erreichte der Appell der FDJ (Freie Deutsche Jugend) zum Jugendprojekt "Max braucht Wasser!" ungefähr 2700 Jugendliche, mit der Bitte um freiwilligen Arbeitseinsatz für die Maxhütte. Eine fünf bis sechs Kilometer lange Brauchwasserleitung sollte innerhalb von knapp bemessenen 90 Tagen von der Saale bis zum Werk in Unterwellenborn gebaut werden. Mit diesem Kühlwasser sollte der vierte Hochofen im Werk in Betrieb genommen werden, der dringend für die Produktion von Stahl und somit für den Wiederaufbau der seit dem Krieg brach liegenden Wirtschaft benötigt wurde.

Es gab viel zu wenig Arbeitsgeräte, sodass die angeheuerten Arbeitskräfte nicht ausreichten und zusätzlich Hunderte von Schülern aus den umliegenden Orten als Aufbauhelfer verpflichtet wurden. Was unmöglich schien, wurde tatsächlich wahr: In nur 90 Tagen wurde die Wasserversorgung des Stahlwerkes Unterwellenborn sichergestellt.

Warum funktionierte dieses ungewöhnliche Projekt?

Es funktionierte, weil die jungen Menschen damals nach dem Krieg in Aufbruchstimmung waren und proaktiv ihr Leben in die eigene Hand nehmen wollten. Sie sehnten sich nach der Beseitigung der Spuren des Krieges, nach unbeschwertem Leben, nach Abenteuern und neuen Menschen. Dieser Lebenshunger setzte schließlich ungeahnte Kräfte in Bewegung.
Der Bau der Wasserleitung wurde fortan als beispielhaftes Gemeinschaftswerk der FDJ propagiert.
Später wurde die FDJ-Initiative "Max braucht Schrott" ("Max braucht Knochen") ausgegeben. Aufgrund des Rohstoffmangels rief die FDJ die Jugendlichen auf, "Schrott" zu sammeln und dem Stahlwerk Max zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung zu stellen. Tausende Jugendlicher folgten dem Aufruf und sammelten altes Metall, teils unter sehr harten Bedingungen. Augenzeugen berichten von Eisenbahngleisen, welche seit rund 20 Jahren nicht mehr befahren wurden und teils nicht mehr sichtbar waren. Sie mussten vor dem Abtransport erst ausgegraben werden. Auch alte Eisenbrücken wurden zerlegt und der Maxhütte zur Verfügung gestellt.

Industriedenkmal "Gasmaschinenzentrale Maxhütte Unterwellenborn"

Nach 120 Jahren wurde das traditionelle Stahlwerk Maxhütte Unterwellenborn östlich von Saalfeld im Jahre 1992 stillgelegt und somit war auch ein wichtiges Stück DDR- Geschichte Vergangenheit. Das Werk wurde größtenteils abgerissen, um für Neues Platz zu machen.
1995, mit der Aktivierung des hochmodernen Elektrostahlwerks der "Stahlwerk Thüringen GmbH", begann ein neues Zeitalter in Unterwellenborn.
Damit die interessante Geschichte der Maxhütte auch für nachfolgende Generationen erhalten bleibt, wurde das Schaudenkmal "Gasmaschinenzentrale" errichtet. Anhand historischer und betriebstypischer Technik können Besucher die Produktionsabläufe nachvollziehen. Zahlreiche Ausstellungsstücke erzählen von der teils sehr harten Arbeit der Stahlarbeiter und von ihrem Leben innerhalb und außerhalb der Maxhütte. In einer speziell kindgerechten Ausstellung begleitet das Hochofenmännchen "Mäxchen" die jüngsten Besucher durch die verschiedenen Stationen der Gaszentrale.
Die Technik der Maschinenhalle ist im Original erhalten und heute denkmalgeschützt.

Das Herz der Maxhütte - die Gasmaschinenzentrale

Von 1921 - 1928 wurde die Gasmaschinenzentrale gebaut. Sie war das energiespendende Zentrum des Stahlwerkes und das fortschrittliche Ergebnis hoher Ingenieurkunst der 1920er Jahre. Sie erzeugte mittels Gebläsen Wind für die Hochöfen und das Konverterstahlwerk, sowie Druckluft für das gesamte Werk.
Die Dimensionen waren beeindruckend: Das komplette Kellergeschoss und ein Maschinenraum von 111 m Länge, knapp 34 m Breite und fast 28 m Höhe.
Das Zentrum des Schaudenkmals bildet die 1923 gebaute Gasdynamomaschine III. Sie ist mit 22 m Länge die letzte Großgasmaschine der ehemaligen DDR. 65 Jahre lang war sie als Generator in Betrieb, davon 35 Jahre ausschließlich für das Maxhüttennetz. Als Arbeitsmedium diente gereinigtes Gichtgas. Das Industriedenkmal ist aufgrund seiner spannenden Geschichte und des großartigen Industriedenkmals in jedem Fall ein interessantes Ziel für eine Kursfahrt!

Interessantes für Technikliebhaber

Die letzte übriggebliebene Großgasmaschine, der Thyssen-Gasdynamo III, wurde erst Anfang 1989 stillgelegt. Aufgrund des maroden Zustands des Fundamentes war ein Weiterbetreiben nicht mehr möglich. Der Gasdynamo ist heute noch voll funktionsfähig, seine Bewegungen lassen sich mittels eines Fahrwerkes erfassen. Auf dem Gebiet der neuen Bundesländer ist er die letzte Großgasmaschine und steht seit 1987 unter Denkmalschutz.
Als Ausstellungsstück aus dem technologischen Prozess des ehemaligen Maxhüttenbetriebes, kann man eine imposante Roheisenpfanne mit 24.000 kg Fassungsvermögen besichtigen.

Was wird im Industriedenkmal angeboten?

  • Führungen im denkmalgeschützten Bereich mit Besichtigung der Werkstadt, Steuerbühnen und Schmiede sowie im neuen Stahlwerk der Stahlwerk Thüringen GmbH.
  • Verschiedene Ausstellungen bezüglich der Geschichte der Maxhütte Unterwellenborn sowie der Stahlwerk Thüringen GmbH.
  • Videovorführungen
  • Sonderführungen auch außerhalb der Öffnungszeiten sind auf Anfrage möglich.

Fazit

In Thüringen gibt es sehr viel Spannendes zu entdecken, sowohl geschichtsträchtiges als auch kulturell interessantes. Beispielsweise Weimar und Jena, die Wartburg, das "Bauhaus" und das Industriedenkmal in Unterwellenborn zählen zu den Highlights und eignen sich bestens für eine gelungene Klassenfahrt. Hier wird Geschichte nicht nur erzählt, sondern erlebt, sozusagen das Bild zum Ton zusammengefügt. Thüringen bietet ideale Voraussetzungen für eine unvergessliche Kursfahrt. Praktischer, anschaulicher Geschichtsunterricht statt grauer Theorie!



Geschichte, Klassenfahrt, Thüringen