Die Berliner U-Bahn - Prestigeprojekt des Kaisers und Glücksfall für das 21. Jahrhundert



Kaiser Wilhelm II. hatte das Ziel, aus Berlin eine Weltstadt von Rang und Namen zu machen. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, also gerade einmal gut ein Jahrzehnt nach seinem Amtsantritt, war Berlin zu einem Zentrum für Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft geworden. Der Bau der Berliner U-Bahn fügte sich nahtlos in dieses Konzept und diese Entwicklung ein, auch wenn ihre Entstehung mit zahlreichen Hindernissen verbunden war. Heute ist die U-Bahn Berlin ein nahverkehrstechnischer Glücksfall und wird im Rahmen des Klimaschutzes und der Reduktion des Individualverkehrs auch im 21. Jahrhundert eine bedeutende Rolle spielen.

In heutiger Zeit zeigt sich wie wichtig der ÖPNV für den Klimaschutz in den Städten ist. So lohnt es sich auf der Klassenfahrt nach Berlin für Sehenswürdigkeiten die U-Bahn zu nehmen, da man so schneller an die jeweiligen Ziele gelangt.

Die Ursprünge der Berliner U-Bahn

Die Beziehung zwischen Berlin und seiner U-Bahn war definitiv keine Liebe auf den ersten Blick. Denn bereits 1880 schlug Werner Siemens den Bau einer Hochbahn vor, doch Bedenken seitens der Entscheidungsträger führten dazu, dass zunächst lediglich eine Straßenbahn gebaut wurde. Zu groß war die Sorge, dass eine Hochbahn das Stadtbild verunstalten oder eine U-Bahn die gerade frisch angelegte Kanalisation der Stadt beschädigen könnte.

Es waren zahlreiche Verweise auf erfolgreiche Projekte wie die Wuppertaler Schwebebahn, die U-Bahn in London und die elektrische U-Bahn in Budapest sowie zahlreiche Experimente auf dem AEG-Werksgelände zur Sicherheit der U-Bahn notwendig, um einen Wandel im Geist der Regierung auszulösen. Nach und nach kam der Kaiser zu der Einsicht, dass eine U-Bahn seine Stadt vernetzen und noch stärker zu einer kulturellen Hochburg machen könnte, und freundete sich schließlich mit der Idee an.

Die erste Strecke der Berliner U-Bahn, die gebaut wurde, war die heutige U1, die den Zoologischen Garten mit der Warschauer Straße verbindet. Die Strecke wurde vorrangig als Hochbahn umgesetzt. Vom Nollendorfplatz bis zum Zoo wurde die Strecke jedoch unterirdisch realisiert. Das war eine Vorgabe, die sicherstellen sollte, dass die Wirkung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche nicht negativ beeinträchtigt wird. Insgesamt kostete der Bau der Strecke 25 Millionen Goldmark und die Einweihung fand im Jahr 1902 statt.

Aus- und Wiederaufbau der Berliner U-Bahn

Die drei U-Bahn-Linien, die 1902 in Betrieb waren, erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass bald Stimmen nach einem Ausbau des Streckennetzes und einer Verlängerung der bereits bestehenden Linien laut wurden. Zunächst wurde der Berliner Westen erschlossen. Zu diesem Zweck wurden sowohl das Schienennetz erweitert als auch neue Bahnhöfe gebaut. In einem nächsten Schritt ging es dann darum, das Berliner Stadtzentrum an das U-Bahn-Netz anzuschließen. Anschließend ging es mit der "Spittelmarktlinie" in Richtung Norden, bevor mit einer Strecke nach Dahlem auch der Süden erschlossen wurde.

Im Rahmen der beiden Weltkriege wurde die Berliner U-Bahn streckenweise massiv zerstört. Beide Male bestand aber immer der politische Wille, das Streckennetz wieder aufzubauen und sogar noch zu vergrößern. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren bereits 1945 knapp 92 % des Streckennetzes wieder befahrbar. Anschließend erfolgte ein großer Bauboom, bei dem der sogenannte 200-Kilometer-Plan schrittweise realisiert wurde.
Durch die Spaltung der Bundesrepublik wurde auch das U-Bahn-Netz gespalten, weswegen einige Bahnhöfe umfahren oder nicht mehr angesteuert wurden. Das tat der Bauleidenschaft auf beiden Seiten aber keinen Abbruch und so entstanden bis in die 1980er Jahre hinein viele neue Strecken und Bahnhöfe, bis die beiden Netze nach der Wiedervereinigung erneut zusammengeführt wurden.

Die Berliner U-Bahn heute

Heute setzt sich das Berliner-U-Bahn-Netz aus zehn verschiedenen Linien zusammen, die nahezu das gesamte Stadtgebiet abdecken. Insgesamt erstreckt sich das Netz über 146 km und die 1272 Einsatzfahrzeuge steuern insgesamt 173 Bahnhöfe an. Nutzten im Jahr 2011 noch 937 Millionen Fahrgäste die Dienstleistungen der U-Bahn, so waren es im Jahr 2017 bereits 1,06 Milliarden Menschen. Vor allem Touristen sind für die verschiedenen U-Bahnlinien dankbar, die sie zu den Highlights der Stadt bringen. Doch auch die Einheimischen nutzen das U-Bahnnetz rege für Ausflüge ins Grüne oder für die Fahrt zur Arbeit, Schule oder Universität.

Um die Berliner U-Bahn nutzen zu können, wird aktuell ein gültiger Fahrschein benötigt. Hierfür gibt es verschiedene Kategorien. Wer lediglich eine kurze Distanz zurücklegen möchte, kann sich einen Kurzstreckenfahrschein besorgen. Der Standardfahrschein berechtigt demgegenüber dazu, zwei Stunden lang mit der U-Bahn zu fahren. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass das Ticket nur in eine Richtung, nicht also für die Rückfahrt genutzt werden darf. Weitere Möglichkeiten bestehen im Kauf einer Tageskarte, einer Wochenkarte, einer Monatskarte oder eines Jahrestickets. Für Schülerinnen und Schüler, Seniorinnen und Senioren sowie für Gruppen gibt es spezielle Ermäßigungen.

Die verschiedenen Linien der Berliner U-Bahn

Die einzelnen U-Bahn-Linien decken sowohl die Nord-Süd-Richtung als auch die Ost-West-Richtung ab. Die sechs West-Ost-Linien sind die U1 von Kreuzberg-Friedrichshain in die City West, die U2 von Ruhleben nach Pankow, die U3 von Schöneberg nach Zehlendorf, die U5 vom Alexanderplatz im Zentrum nach Hellersdorf im Osten, die U7 von Spandau nach Rudow in Neukölln sowie die U55 vom Brandenburger Tor zum Hauptbahnhof. Während die U7 mit 32 km die längste Strecke des Berliner U-Bahnnetzes ist, stellt die U55 mit gerade einmal 1,8 km Länge die kürzeste Linie dar.

Die Nord-Süd-Richtung verbinden vier Linien der Berliner U-Bahn. Die U4 verbindet den Innsbrucker Platz mit dem Nollendorfplatz und ist mit 2,9 km nur wenig länger als die U55. Die U6 verbindet das nördliche Tegel mit dem südlichen Mariendorf, wohingegen die U8 von Wittenau bis zur Hermannstraße reicht. Die U9 schließlich ist die Linie, die den Berliner Wedding mit Steglitz verbindet.

Die Bedeutung der Berliner U-Bahn für das 21. Jahrhundert

Die Berliner U-Bahn wird auch noch im 21. Jahrhundert von großer Relevanz sein. Im Namen des Klimaschutzes muss der Individualverkehr zurückgeschraubt und der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ausgebaut werden. Dass sich die Politik mit diesem Gedanken bereits beschäftigt, zeigt die Tatsache, dass in Berlin seit einigen Jahren ein kostenloser ÖPNV im Gespräch ist. Außerdem wird fleißig weiter an der Verlängerung der U55 gebaut, um sie dereinst mit der U5 zu einer großen Strecke zu verschmelzen. Es werden also nach wie vor immense Gelder in die Berliner U-Bahn investiert, um sie auszubauen und zu modernisieren.



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