Das Orakel von Delphi



Der Nächste Teil unserer Griechenland – Serie dreht sich um die Mythen von Delphi und seinem Orakel. Die wohl wichtigste und bedeutendste Pilger- und Weissagungsstätte der hellenistischen Zeit war das Orakel von Delphi, welches sich am Fuße des Parnass-Gebirges in der Landschaft Phokis befindet. Dem Mythos nach schickte Zeus zwei Adler von je einem Ende der Welt los, die sich beide in Delphi trafen, weshalb der Ort auch als Mittelpunkt der Welt galt. Die Erdmutter Gaia vereinigte sich nach dem Goldenen Zeitalter mit dem übrig gebliebenen Schlamm der Erde und gebar daraufhin die Schlange Python, unter deren Schutz sie stand. Python hatte hellseherische Fähigkeiten und lebte in Delphi. Als Gaia der Frau von Zeus, der eifersüchtigen Hera, prophezeite, dass dessen Geliebte Leto Zwillinge gebären würde, schickte Hera die Schlange Python los, um Leto zu töten. Jedoch wusste Zeus diese Tat zu verhindern. Leto gebar die Zwillinge Apollon und Artemis. Nachdem Apollon erfuhr, dass Python seine Mutter töten sollte, übte er Rache an ihr und ermordete sie bei Delphi. Das Blut der Schlange floss über die komplette Stadt und übertrug damit die hellseherischen Fähigkeiten der Python auf Delphi. Damit wurde Gaia die Kontrolle über die Stadt entrissen. Die Tatsache, ob das Orakel sprach oder schwieg, entschied ein Omen: Ein Oberpriester begoss eine Ziege mit eiskaltem Wasser. Blieb die Ziege dabei ruhig, so schwieg das Orakel und die Ratsuchenden mussten einen Monat warten, ehe sie erneut den Versuch einer Weissagung starten konnten. Zuckte die Ziege jedoch zusammen, so wurde sie als Opfertier geschlachtet und auf den Altar gelegt. Damit konnten die Weissagungen beginnen. Die Prophezeiungen, die meist mehrdeutigen Charakter trugen, wurden im Apollon-Tempel von der Pythia (einer Priesterin) formuliert. Sie wurde von 2 Priestern begleitet, die anschließend für die Formulierungen zuständig waren.Während ihrer Weissagungen saß sie auf einem Dreifuß, unter welchem sich ein Spalt befand, aus dem Weihrauch aufstieg. Dadurch verfiel die Pythia in einen Trancezustand, wodurch Ihre Verkündungen meist sehr undeutlich und missverständlich wurden. An dieser Stelle traten die zwei Priester in Aktion: Sie mussten die Weissagung „übersetzen“. Wie jedoch diese ausgelegt wurden, oblag immer den Ratsuchenden selbst. Befragt werden durfte das Orakel von allen – den Bürgern Delphis, Abgesandten der griechischen Städte und auch den Bittstellern aus anderen Ländern. Die ärmeren Schichten mussten sich mit einem Ja-Nein-Orakel zufriedenstellen. Gehobenere und wohlhabendere Schichten erhielten eine individuelle Beratung. Während des Winters verließ Apollon der Sage nach Delphi, um zu den Hyperboreern, ein Volk im Norden, zu reisen. Somit konnte das Orakel während der Wintermonate nicht befragt werden. In dieser Zeit wurde der Weingott Dionysos in Delphi angebetet, der sich mit Apollon die heilige Stätte „teilte“. Mit Einzug des Frühlings reiste auch Apollon wieder nach Delphi, woraufhin das Orakel befragt werden konnte. Als Kaiser Theodosius I. 391 n. Chr. durch ein Edikt sämtliche Orakelstätten abschaffte, bedeutete dies auch das Ende für das Orakel von Delphi. Zu besichtigen ist das Orakel von Delphi beispielsweise auf einer unserer Komplettreisen nach Griechenland.


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