Das Bremer Rathaus - Weltkulturerbe in der Hansestadt



Vor dem Bremer Rathaus "wacht" der Roland als steinerne Statue. Es gibt ihn seit dem Jahr 1404, und nicht nur für die Menschen in der Metropole an der Weser ist er das Symbol für die Privilegien ihrer Freien Reichsstadt. Aber in erster Linie steht das Rathaus in Bremen für die Autonomie der Bürger und für die Souveränität, die dieser Stadt seit dem Heiligen Römischen Reich erteilt wurde. Wer bei einer Klassenreise oder Schulfahrt das historische Rathaus von Bremen besichtigt, der sollte wissen, dass er sich in einem Gebäude befindet, das die UNESCO auf ihre Welterbeliste gesetzt hat. Dieses Rathaus ist ein stummer und steinerner Zeuge der Selbstbestimmung der Bremer Bürger.


Besuchen Sie mit Ihrer Klasse auf Ihrer Klassenfahrt nach Bremen, das Weltkulturerbe der Hansestadt.

Der Sohn eines holländischen Hauermeisters

Das ansehnliche Gebäude am Marktplatz wurde in den Jahren zwischen 1405 und 1412 gebaut. Zu diesen Zeiten war das heutige Rathaus noch ein eher schlichter Bau aus Backsteinen. Von dem spätgotischen Stil dieser Jahre ist heute kaum noch etwas zu sehen, denn inzwischen präsentiert sich die vordere Fassade im Stil der Renaissance. Diesen "Look" erhielt das Rathaus durch einen gewissen Lüder von Bentheim im frühen 17. Jahrhundert. Der war der Sohn eines holländischen Steinhauermeisters und trat beruflich in die Fußstapfen seines Vaters. Er muss ein Freund der antiken Mythologie gewesen sein, denn ihm verdankt das Bremer Rathaus die üppigen Darstellungen oberhalb der Arkaden.

Schauplatz der Bremer Schaffermahlzeit

Das historische Bremer Rathaus wird heute in erster Linie zu Repräsentationszwecken genutzt. Hier findet alljährlich die traditionelle Schaffermahlzeit statt. Sie ist lediglich Männern vorbehalten, hat eine lange Geschichte und dient als Symbol für die Verbundenheit der Seeleute mit der Kaufmannschaft. Unter anderem geht es dabei auch um Spenden, die der Stiftung Haus Seefahrt zugutekommen. In der unteren Rathaushalle geben sich die Bremer Handwerker jeweils in der Vorweihnachtszeit ein Stelldichein zu einem viel besuchten Kunstmarkt. Außerdem ist dies die Kulisse von sehenswerten Ausstellungen. In früheren Jahrhunderten wurde in der unteren Rathaushalle Recht gesprochen und gehandelt. Außerdem mussten dort die Bremer Bürger ihre Steuern entrichten. Der gesamte Raum trägt die Züge der Spätgotik.

Zwei bronzene Reiter am Ostportal

Wer bei einem Aufenthalt in der Hansestadt das Bremer Rathaus durch das Ostportal betritt, wird zwei Herolde hoch zu Pferd, nicht übersehen können. Diese bronzenen Reiter entstanden in der Ideenschmiede des Bildhauers Rudolf Maison. Sie wurden einst bei der Weltausstellung des Jahres 1900 in Paris präsentiert und gelangten durch die Schenkung eines Bankiers an die Weser. Bei einer Klassenreise sollten die Schüler den großen Wandgemälden in den Rathaushallen ihre Aufmerksamkeit schenken. Sie stammen von dem niederrheinischen Maler Bartholomäus Bruyn. Ein Gemälde ist mit dem Jahr 1532 datiert und zeigt eine Begegnung von Kaiser Karl dem Großen mit Bischof Willihad. Beide gelten als Gründer der Stadt Bremen. In einem zweiten Wandbild werden die Ratsherren zu einer guten Rechtssprechung und einem Salomonischen Urteil aufgerufen.

"Güldenkammer" und das Gestühl der Ratsherren

Das Gestühl für die 24 Ratsherren wurde im Jahr 1410 gefertigt, in vier Reihen angeordnet und reich verziert. In den Fenstern der Marktfassade werden die Teilnehmer einer Fahrt nach Bremen, die gläsernen Wappen der Bürgermeister, Ratsherren und der Delegierten aus der Bremer Kaufmannschaft nicht übersehen. Die sogenannte "Güldenkammer" fand ihren Ursprung im frühen 17. Jahrhundert und wurde immer wieder restauriert. Die Ledertapete, Teppiche, das Mobiliar und die Intarsien wurden von einem Künstler aus Worpswede gefertigt. Der geräumige Festsaal dient - wie zu allen Zeiten - den Empfängen durch die Bremische Bürgerschaft. Ein dort angebrachtes Gemälde von Carl Vinnen ist ein Porträt der Stadt im 17. Jahrhundert. Im Senatssaal tagen die Ratsherren der Freien Hansestadt und im kleineren Kaminsaal stammt die Feuerstätte aus französischem Marmor.

Ausreichend Platz für alle Bremer Bürger

Schon im frühen Mittelalter war es in der Stadt am Ufer der Weser üblich, dass die gewählten Volksvertreter vor großen Entscheidungen die Meinung ihrer Bürger einholten. So oder so ähnlich wird es auch im Jahr 1400 gewesen sein, als ein neues Rathaus geplant wurde. Es sollte im gotischen Stil errichtet werden, doch vorher erkundigte sich der Rat nach der sogenannten "Meenheit" der Einwohner von Bremen. Auf der Bürgerweide fand dann eine Versammlung statt, und es wurde beraten, welche Ausmaße das neue Rathaus haben sollte. Bremen war in dieser Zeit noch überschaubar, und so erhielt die obere Rathaushalle ein Maß, das ausreichte, um dort alle Bürger der Stadt zu den Versammlungen unterzubringen. Freiheitsliebend und stolz waren die Menschen dieser Stadt, und sie demonstrierten ihr Selbstbewusstsein durch die Pracht ihres Rathauses gegenüber den Autoritäten der Erzbischöfe.

Empfänge für Bischöfe, Könige und Atlantikflieger

Bis in die heutige Zeit fühlt sich Bremen als eine freie Handelsstadt, die seit dem Jahr 1358 ein Teil des Städtebundes der Hanse ist. Das älteste erhaltene Schriftstück, das die Existenz eines Bürgergremiums im Rathaus dokumentiert, stammt aus dem Jahr 1186. Aus dieser Zeit ist auch ein zivilrechtliches Gesetzbuch erhalten. Das sechshundert Jahre alte Rathaus an der Weser ist das steinerne Symbol der ältesten noch immer existierenden Stadtrepublik in Europa. Neben der Schaffermahlzeit diente das Rathaus wiederholt als Stätte von Empfängen. Hier huldigte man Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg, dem ersten protestantischen Erzbischof, im Jahr 1580. Hier gab es 1869 ein Festmahl für König Wilhelm von Preußen und hier feierte man 1928 die Atlantikflieger Hermann Köhl, Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld und James Fitzmaurice. Keine Frage: Eine Besichtigung des historischen Bremer Rathauses ist bei jeder Schulfahrt ein absolutes "Muss".