Auf den Spuren des tschechischen Kubismus - Josef Chochol

Mario

Ecken, Schrägen, Kanten, kristalline Formen prägen die kubistischen Häuser, Möbel und Gebrauchsgegenstände wie Kaffee- und Teeservices, Dosen, Vasen oder Leuchter. Ohne Schnörkel, ohne Ornamente, reine Sachlichkeit, geometrische Dynamik. Besonders Josef Chochol, einst Student bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien, pflegte in seinen Entwürfen einen schnörkellosen, asketischen Stil. Seine architektonische Handschrift zeichnet sich durch Dynamik, großzügige Formen und die Negierung des Ornaments aus.

Zu den wichtigsten Werken Chochols gehören die nach seinen Entwürfen 1912-13 entstandenen Ein- und Mehrfamilienhäuser unterhalb des Prager Vyšehrad. Das Dreifamilienhaus an der Rašínovo nábřeží 42/6-10, weist eine ausgeprägte kubistisch gestaltete Fassade auf. Der Mittelteil wird von einem polygonalen Tympanon abgeschlossen. Die Seitenflügel tragen hingegen Mansardendächer. Alle kubistischen Häuser in der kleinen, äußerst sehenswerten Kolonie stehen unter Denkmalschutz. Nicht weit entfernt, sozusagen um die Ecke, stehen zwei weitere steingewordene Entwürfe Chochols. Die Villa Kovařovic entstand ebenfalls 1912-13 an der Libušina 49/3. Sie bietet vor allem auf der Gartenseite einen spektakulären Anblick und ist ein Beispiel für Kubismus in seiner reinsten Form. Selbst die Pfosten des Zaunes sind kubistisch gestaltet. Auch das Mehrfamilienmietshaus aus dem Jahre 1913 an der Neklanova 98/30 gilt als kubistisches Paradebeispiel. Chochol durchbrach hier den Wandkörper an der spitzwinkligen Gebäudeecke mit Loggien. Er reduziert die Ecke entlang der gesamten Gebäudehöhe zu einem schlanken Pfeiler, der stark an gotische Strebepfeiler erinnert. Nach oben schließt ein eindrucksvolles Kranzgesims das perfekt durchkomponierte Bauwerk ab. Selbst die Türklinke der Eingangstür hat Chochol kubistisch gestaltet. Im Erdgeschoss lädt seit alters her ein Restaurant Besucher zum Verweilen ein. Ebenso wie seine beeindruckenden Bauwerke, gehören auch die von Chochol entworfenen kubistischen Möbelserien zu den besten Beispielen des Kubismus. Exemplarisch dafür seien hier Fauteuil und kleiner Tisch genannt, die 1910-11 für den englischen Zirkel in Prag nach seinen Entwürfen angefertigt wurden.

Die kubistischen Architekten wollten ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Interieur und Möbeln und lehnten die Priorität der Funktionalität und Zweckmäßigkeit ab. Die Möbel muten fast futuristisch an, aber nicht unbedingt bequem. Sie zerlegten sie in Bauelemente, brachen die Flächen zu rechten Winkeln. Sie entwarfen Formen, die der Funktion und Statik widersprachen. Die komplizierten Entwürfe waren mit der herkömmlichen Tischlertechnik nicht umzusetzen. Es war notwendig, die schiefen und abgeschrägten Teile mit verschiedenen Versteifungen, die das Gewicht der ohnehin voluminösen Stücke erhöhte, zu befestigen. Um ihre kubistischen Entwürfe für die Möbelproduktion auch umsetzen zu können, gründete das Quartett Janák, Gočár, Hofmann und Chochol 1912 die Prager Kunstwerkstätten.

Im Museum des tschechischen Kubismus, das sich in der Perle des tschechischen Kubismus im Herzen Prags befindet, in Gočars Haus zur Schwarzen Mutter Gottes sowie im Kunstgewerbemuseum in Prag kann der interessierte Besucher viel Wissenswertes über diese besondere Kunstrichtung erfahren und faszinierende Beispiele für kubistische Möbel und Interieur bewundern.

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