British Museum - Spiegel der Menschheitsgeschichte

Marco

Es zählt zu den größten Museen der Welt. Seine umfassenden kulturgeschichtlichen Sammlungen sind ohnegleichen und fesselnd. Sie zeigen dem Besucher die Entwicklung der menschlichen Kultur von den Anfängen bis hin zur Gegenwart. Von Beginn an war der Eintritt zu den Sammlungen kostenlos, um es der wissbegierigen und interessierten Bevölkerung zu ermöglichen ihren Horizont zu erweitern. Mit dieser selbstlosen Ambition war das British Museum ein Vorreiter, denn es war das erste seiner Art, welches keinen Eintritt verlangte. Mit der Zeit wuchs die Zahl der Exponate und das Spektrum wurde immer breiter. So stiegen auch die Besucherzahlen seit seiner Eröffnung 1759 von anfangs ca. 5.000 Personen pro Jahr im 18. Jh. auf ungefähr 6 Millionen jährlich heutzutage.

Die Ursprünge des Museums liegen im 18. Jh. Sir Hans Sloane, einem Physiker, Naturforscher und leidenschaftlichen Sammler, verdanken wir die Entstehung des British Museum. Er sammelte während seines Lebens über 71.000 Objekte, darunter vorrangig Bücher, Manuskripte, Naturproben, Antiquitäten und ethnographisches Material. Sein Wunsch war, dass diese Kollektion nach seinem Tode der Bevölkerung zugänglich wird. So vermachte Sir Sloane, nachdem er 1753 verstarb, die gesamte Sammlung König George II. Dieser beschloss daraufhin die Gründung des British Museum und erweiterte es mit den Werken der Old Royal Library - der Bücher- und Manuskriptesammlung der britischen Monarchen. Das Museum wurde im Montegu House, einem im Stadtteil Bloomsbury gelegenen Herrenhaus eingerichtet und öffnete im Jahre 1759 endlich seine Tore für die Öffentlichkeit. Das 19. Jh. stand für Erweiterung. Immer mehr bewundernswerte Exponate, wie z. B. der Rosetta Stone oder Skulpturen aus dem Parthenon, wurden akquiriert. Zudem wurde die King’s Library ein Teil des Museums. Der Platz wurde schnell knapp und somit wurde ein größeres Gebäude benötigt.

Ein gigantisches Bauwerk im klassizistischen Stil mit einer imposanten, von ionischen Säulen geprägten, Hauptfassade sowie einem Lesesaal mit Kuppel wurde errichtet und im Jahre 1857 fertiggestellt. Anschließend gliederte man die naturgeschichtliche Sektion aus und schuf dafür das Natural History Museum in Kensington. Die Schlüsselfigur während dieser Periode war Sir Augustus Wollaston Franks. Durch ihn wurden immer mehr Themenbereiche geschaffen und die Ausstellung um u. a. prähistorische oder mittelalterliche Funde aus Europa und dem Orient bereichert. Dies fesselte Personen aller Bevölkerungsschichten und Altersgruppen, so dass die Besucherzahl stetig stieg. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der erste Museumsführer herausgegeben um den Besuchern einen besseren Überblick zu verschaffen. Die folgenden Jahrzehnte waren von Restaurierungen, Renovierungsarbeiten und Verbesserung des Services geprägt. Des weiteren wurde die Bücherei 1997 ausgegliedert. Den entstandenen Freiraum im und um den Kuppel-Lesesaal gestaltete man um und schuf den Queen Elizabeth II Great Court, der größte überdachte Platz in ganz Europa. In den letzten Jahren kamen weitere Ausstellungen, wie chinesische Keramik oder Uhren, hinzu.

Das Spektrum der Themenbereiche ist so groß, dass eine eingehende Besichtigung aller an einem Tag so gut wie unmöglich ist. Daher werden geführte Touren oder Audio Guides angeboten um die Highlights zu sehen.

Zu diesen zählt unumstritten die Sektion altes Ägypten. Es finden sich stilisierte Skulpturen von Pharaonen, Gottheiten und symbolischen Objekten sowie gut erhaltene Mumien. Besonders beeindruckend ist die Büste von Ramses II. und der weltberühmte Rosetta Stone. Die dreisprachige Inschrift des im Nildelta gefundenen Steins war nach deren Translation die Grundlage für die Übersetzung der ägyptischen Hieroglyphen.

Ebenfalls begnadet ist die Ausstellung rund um die griechische und römische Antike. Die Parthenon Galleries bieten Statuen und Skulpturen von griechischen Gottheiten. Diese einzigartigen Exponate stammen aus dem Parthenon Tempel der Akropolis. Weiterhin lernt man anhand von Relikten mehr über den Alltag zur damaligen Zeit, die Geschichte Roms und Italien vor der römischen Herrschaft sowie den griechischen Einfluss in Süditalien. Hier sticht die Portland Vase hervor. Datiert aus der Zeit von Kaiser Augustus, ist das aus zweifarbigem Glas gefertigte und mit Liebes-und Hochzeitsszenen verzierte Henkelgefäß eines der wertvollsten und am besten erhaltenen Exemplare antiker Glaskunst.

Liebhaber asiatischer Kulturschätze kommen auch auf ihre Kosten. Die Sektion Asien führt den Besucher auf eine fesselnde Reise nach Fernost und Indien. Unschätzbar kostbare und schöne Jadekunst, chinesische Keramik- und Porzellanarbeiten, koreanische Zeichnungen und Informationen über die Verbreitung des Buddhismus werden hier u. a. geboten.

Die Abteilung Britain and Europe befasst sich mit heimatlichen Funden. Höhepunkte sind hier z. B. Sutton Hoo Treasure und Lindow Man. Sutton Hoo Tresure besteht aus kostbaren Grabbeigaben von einem angelsächsischen Königsgrab aus dem 7. Jahrhundert. Der schauerliche Lindow Man ist eine Moorleiche, deren Alter auf etwa 2.000 Jahre geschätzt wird.

Dies waren nur einige der Highlights. Man findet Exponate aus allen Kontinenten. Daher ist der Begriff British Museum auch etwas irreführend. Doch wer ahnte vor 250 Jahren schon, dass dieses Museum solche Ausmaße annehmen würde? Das Wachstum der Sammlungen wurde durch die enorme Ausdehnung des British Empire, das zu Hochzeiten ca. ein Viertel der Landmasse der Erde kontrollierte, begünstigt. Briten waren nun in aller Welt unterwegs und hatten die Möglichkeit entsprechende Funde oder Kunstschätze zu erwerben, die wiederum vom Museum abgekauft werden konnten oder sie ihm vermacht wurden. Darüber hinaus beteiligten sich Museumsmitarbeiter, vor allem im Nahen Osten und Ägypten, an archäologischen Ausgrabungen und brachten die Funde nach London. Das British Museum ist heute eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der britischen Hauptstadt. Sein Reiz liegt in der Vielfalt und den außergewöhnlichen Ausstellungsstücken. Es ist ein unschätzbar wertvoller und unabdingbarer Teil der Kulturlandschaft Londons - ein unvergessliches Erlebnis auf der nächsten Klassen-, Kurs- oder Studienfahrt nach London!


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