Die Hanse an der Ostsee in Lübeck und Kiel

Robbin

Hanse – da denkt man sofort an Kaufleute, Kaufmanns- und Städtebund, Handel, Hansekoggen, Kontore, Ostsee, Reichtum, Backsteinbauten, freie Hansestädte wie Hamburg und Lübeck, Rostock und Stralsund…

Besonders Lübecks Geschichte und Wachstum sind untrennbar mit der führenden Rolle in der Hanse verbunden. Lübeck wurde „Königin der Hanse“ oder auch „Haupt der Hanse“ genannt. Die Gründung Lübecks 1143 als erste deutsche Ostseestadt wird als entscheidend für die Entwicklung der Hanse angesehen. Zunächst als Kaufmannshanse ist sie im 12. Jahrhundert aus den Gemeinschaften der Ost- und Nordseehändler entstanden und gewachsen. Die neue Hafenstadt Lübeck hatte eine günstige Lage zwischen Nord- und Ostsee. Sie wurde das Tor West- und Mitteleuropas zum Ostseehandel, nach Skandinavien und zum Baltikum. Mitte des 14. Jahrhunderts wandelte sich die Kaufmannshanse in eine Städtegemeinschaft. Sie vertrat die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder und bot ihnen Schutz im Ausland, verschaffte ihren Mitgliedern Handelsprivilegien, z.B. Zollbefreiung und entschied Streitigkeiten ihrer Mitglieder in den Niederlassungen im Ausland durch eine eigene Gerichtsbarkeit. Die Hanse war wirtschaftlich, aber auch politisch und kulturell über mehrere Jahrhunderte ein wichtiger Faktor. In ihrer Glanzzeit gehörten über 200 Hafen- und Binnenstädte zwischen Zuidersee und Finnischen Meerbusen, Ostsee und Thüringen der Hanse an.

In Lübeck spürt man das Mittelalter und die Hanse überall. Lübeck erhielt 1160 ein Stadtrecht nach Soester Vorbild, das später als „Lübsches Recht“ von rund 120 Städten im Ostseeraum übernommen wurde. 1226 erhob Friedrich II. die Stadt Lübeck zur freien Reichsstadt. Das gab Lübeck die Möglichkeit einer starken und selbstständigen Handelspolitik. Erst 1937 beendeten die Nationalsozialisten mit dem Großhamburggesetz die Eigenständigkeit Lübeckes.

Als Ausdruck der eigenen Macht und als Gegenstück zum bischöflichen Dom ließen der Rat und die Lübecker Kaufleute im 13. Jahrhundert in der Mitte der Stadt eine „Bürgerkirche“ erbauen. Es entstand eine hochgotische Basilika mit gewaltigen Ausmaßen. In 38,5 Metern Höhe überspannen die Gewölbe das eindrucksvolle Mittelschiff, die beiden Türme erreichen 25 Meter. 1350 wurde St. Marien als Ratskirche geweiht. Die Mutterkirche der Backsteingotik, wie sie auch genannt wird, wurde zum Vorbild für rund 70 Kirchen im Ostseeraum. Der gotische Marienaltar, das Tauffass von Hans Apengeter, die herabgestürzten Glocken in der Kapelle unter dem südlichen Turm als Zeugnis der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und die Astronomische Uhr sind bei einem Besuch besonders beachtenswert. Neben St. Marien zeugen natürlich auch das mächtige Holstentor aus dem 15. Jahrhundert, das heute das Stadtmuseum beherbergt, das Rathaus, das als einzigartiges Bauensemble Stilelemente der Romanik, Gotik und der Renaissance vereint sowie die zahlreichen Bürger- und Kaufmannshäuser mit ihren Stufengiebeln als steinerne Abbilder von der wirtschaftlichen Macht der Lübecker Bürgerschaft. Das einzigartige Altstadtensemble wurde 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Tausende Besucher aus aller Welt besichtigen die Altstadt, die Museen, das Thomas und Heinrich Mann-Zentrum /Buddenbrockhaus, das Günter-Grass-Haus, besuchen die Aufführungen des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals. Lübeck-Travemünde ist übrigens heute der größte Fährhafen Europas.

Die nördlichste deutsche Großstadt an der Ostsee ist Kiel. 1242 erhielt Kiel das Lübsche Stadtrecht. Kiel wurde nie freie Reichsstadt und der landesherrschaftliche Einfluss auf den Handel und die Geschicke der Stadt waren sehr stark. Der Fernhandel blieb weit hinter dem Lübecks und Flensburgs zurück und erlangte nie größere Bedeutung. Die Stadt wurde zwar 1283 Mitglied der Hanse, beteiligte sich aber kaum an den gemeinsamen Aktivitäten. 1518 wurde Kiel aus der Hanse ausgeschlossen. Die Hanse hat Kiel also kaum beeinflusst oder gar geprägt. Die Stadt blühte erst 1865 als sie preußischer Kriegshafen wurde wirklich auf und wuchs rasant. Mehrere Werften entstanden. Kiel wurde Haupthafen der deutschen Kriegsmarine. Damit wurde die Stadt allerdings im Zweiten Weltkrieg Ziel zahlreicher Luftangriffe und zu über 80% zerstört. Es blieben kaum architektonische Zeugnisse ihrer langen Geschichte erhalten. Ein Besuch in Kiel lohnt sich trotzdem, insbesondere zur Kieler Woche, die es seit 1882 gibt. Auf der Kieler Woche erlebt der Besucher eine Kombination aus Schiffsparade, Segelregatten und Volksfest. Ein Besuch im Stadtmuseum, im Schifffahrtsmuseum, im Zoologischen Museum oder im Botanischen Garten der Christian-Albrecht-Universität, ein Bummel entlang der Fördepromenade auf dem Westufer oder eine Hafenrundfahrt, sind unbedingt zu empfehlen.

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