Die Geschichte des Dresdner Striezelmarktes



Weihnachtsmärkte gibt es im mittleren Europa landauf, landab. So mancher erfreut sich einer langen Geschichte und überall duftet es zwischen den Verkaufsständen nach Glühwein, Nelken und Zimt. Wer bei einer Klassenfahrt das Glück hat, in der Vorweihnachtszeit in Dresden zu weilen, der darf sich glücklich schätzen. Denn dies ist die hohe Zeit des historischen Striezelmarktes und der kann in der Tat auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken. Und wer als Teilnehmer einer Schulfahrt über das Wort "Striezel" rätselt, der bekommt in der Dresdner Altstadt ganz bestimmt eine Antwort. Unter einem Striezel versteht man am Ufer der Elbe seit jeher ein weihnachtliches Gebäck. Es wurde immer wieder verfeinert und ist heute in allen Bäckereien und natürlich auch auf dem Striezelmarkt als Dresdner Christstollen zu erwerben.

Besuchen Sie mit Ihrer Klasse auf der nächsten Klassenfahrt nach Dresden doch einmal den Striezelmarkt. Von Ende November bis 24. Dezember findet dieser Weihnachtsmarkt statt.

Ein Spiegelbild der Handwerkskunst

Selbstverständlich hat sich der Dresdner Striezelmarkt im Laufe der Jahrhunderte verändert. Doch so manches hat sich bewahrt, und dieser Weihnachtsmarkt versteht sich auch als Spiegelbild der Handwerkskunst und präsentiert unter anderem die Produkte der heimischen Gewerbetreibenden. Das war schon immer so, doch wer in der Chronik dieses Marktes in der sächsischen Landeshauptstadt blättert, der muss ein wenig Geduld haben. Denn die Geschichte des Striezelmarktes reicht zurück bis ins Jahr 1434, als der damals regierende Kurfürst Friedrich II gemeinsam mit seinem Bruder, dem Herzog Sigismund, das Abhalten eines freien Marktes "am Tage vor dem Heiligen Christabend" auf dem heutigen Altmarkt genehmigte. Darunter verstand man zunächst das Privileg, dort Fleisch zu verkaufen.

Vom Weihnachtsbraten zu den "Struzelbretern"

Dank dieses kurfürstlichen Erlasses waren die Dresdner Bürger in der Lage, sich unter den Angeboten auf dem Markt den passenden Weihnachtsbraten zu wählen. Seit dieser Zeit ist der Striezelmarkt so etwas wie eine unentbehrliche Institution in der Stadt am Ufer der Elbe. Fortan gab es dort nicht nur Fleischprodukte, sondern schon bald Waren aller Art, und die Striezel waren unweigerlich mit diesem Markt verbunden. Im Jahr 1471 entschlossen sich die Dresdner Ratsherren, den Armen und Kranken ihrer Stadt ein weihnachtliches Geschenk zu machen. Sie verteilten Striezel als milde Gaben, und die Rechnung beglichen das Bartholomai-, Materni- und Brückenhofhospital. Dieses süße Gebäck war derart beliebt, dass auf dem Striezelmarkt wenig später die sogenannten "Struzelbreter" auftauchten. Das waren Handwagen, auf denen die Dresdner Zuckerbäcker ihre Striezel oder Christwecken feilboten. Der Rat der Stadt verlangte dafür eine Gebühr.

Ein Reichstaler für Schinken und Striezel

Über einen längeren Zeitraum nannten die Dresdner ihren beliebten Weihnachtsmarkt "Striezelmontag", weil dieser jeweils am Montag vor dem Fest abgehalten wurde. Für die Verhältnisse der Zeit um das Jahr 1500 war der Andrang groß, und deshalb reagierte der Rat der Stadt und genehmigte wegen des enormen Zuspruchs eine Verlängerung der Markttage von Montag bis zum Weihnachtsabend. Es waren insbesondere die Christstollen, die die Herzen von Jung und Alt eroberten. Und weil es auch unter den Ratsherren einige "Schleckermäuler" gab, lud der Regierende Bürgermeister im Jahr 1560 erstmals alle Ratsherren zu einem gemeinsamen Stollenessen ein. Und dies auf Staatskosten. Bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts hielt sich in Dresden der Brauch, dass jeder Ratsherr zu Weihnachten zwei Striezel mit nach Hause nehmen durfte. In Zeiten eines knappen Haushalts beschloss der Rat einige Jahre später ein "Schinken- und Striezelgeld" in Form eines Reichstalers. Den Schinken gab es jeweils zu Ostern.

Die Dresdner Bäcker erstritten ein Privileg

Im ausklingenden Mittelalter war es üblich, dass der Striezelmarkt so etwas wie ein Umschlagplatz für vorweihnachtliche Köstlichkeiten aller Art war. Zahlreiche Händler aus der Umgebung boten ihre Produkte an, doch die Dresdner Bäcker erstritten nach dem Dreißigjährigen Krieg das Recht, wonach allein sie die Dresdner Christstollen anbieten durften. Auch deshalb konzentrierten sich die Handwerker des Dresdner Umlandes, buntes Kinderspielzeug aus Holz auf dem Striezelmarkt zu verkaufen. Familien aus dem nahen Erzgebirge kamen mit ihren Pferdewagen und bereicherten mit geschnitzten Engelsfiguren das Angebot. Wer heute im Rahmen einer Schulfahrt oder Klassenreise über den Dresdner Markt bummelt, der stößt - wie zu alten Zeiten - auf die ganze Palette der weihnachtlichen Dekoration und Holzkunst aus dem Erzgebirge.

Die "Strumpfbuden" des Waisenhauses

Ihre soziale Ader und ihre Bereitschaft, den Ärmsten der Stadt zu helfen, bewiesen die Dresdner zu allen Zeiten. So war es im frühen 18. Jahrhundert auf dem Striezelmarkt üblich, dass das städtische Waisenhaus dort selbst gefertigte Waren anbieten durfte. Und zwar in den sogenannten "Strumpfbuden" und im "Puppenwerk". Die "Strumpfbuden" gibt es noch heute. Einige von ihnen sind nunmehr umstritten, und ein Grüner Stadtrat meinte unlängst, Tennissocken hätten auf dem Weihnachtsmarkt nichts zu suchen ... Aus alten Chroniken geht hervor, dass im Jahr 1704 zahlreiche Handwerker den Weg nach Dresden fanden. Darunter befanden sich sechs Töpfer, drei Goldschmiede, acht Pfefferküchler, zwei Glashändler, drei Messerschleifer, elf Drechsler, zehn Posamentierer, ein Strumpfwickler, ein Sensenschmied und acht Klempner.

Der Striezel ist ein langlebiges Gebäck

Inzwischen hatte es sich in deutschen Landen herumgesprochen, dass der Dresdner Striezelmarkt über ein ganz außergewöhnliches Flair verfügte. Er war zu einer Institution erwachsen und zählte neben dem Nürnberger Christkindelmarkt sowie den Märkten in Frankfurt am Main und Berlin zu den bedeutendsten zwischen der Nordsee und den Alpen. Der Striezel war und ist eine Besonderheit dieser Region an der Elbe. Er ist ein langlebiges Gebäck und hält sich gut und gern ein paar Wochen. Und wer bei einer Klassenfahrt oder Klassenreise in Dresden noch ein paar Euro übrig hat, der sollte es nicht versäumen, auch den "Pulsnitzer Pfefferkuchen" zu probieren. Heute startet der Striezelmarkt im Übrigen bereits am Vorabend des Ersten Advent und schließt erst Heiligabend seine Tore auf dem Altmarkt.

Ein riesiger Stollen für 24.000 Gäste

Die Zunft der Dresdner Bäcker ist seit jeher stolz auf ihren Christstollen, der dem historischen Striezelmarkt den Namen gab. Wer dort dieses süße Gebäck erwirbt, darf sicher sein, dass er sich für ein qualitativ hochwertiges Produkt entschieden hat. Dafür bürgt letztlich auch ein goldenes Siegel mit August dem Starken Hoch zu Ross. Der war eine schillernde Figur höfischer Pracht und ließ im Jahr 1730 einen Riesenstollen von 1,8 Tonnen für 24.000 seiner Gäste herstellen. Der Striezel gehört nun mal zu diesem Weihnachtsmarkt, und so will es die Tradition, dass die Veranstaltung mit dem Stollenanstich eröffnet wird.



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