Prag- die Geschichte der jüdischen Bewohner in Prag- eine Zeitreise bis in die Gegenwart



Prag: Die "Goldene Stadt" entdecken

Prag ist ein hervorragendes Ziel für eine Städte- oder Bildungsreise. Jeder hat wohl schon einmal von der Karlsbrücke mit ihren Heiligenfiguren oder der Prager Burg gehört. Ein Aufenthalt in Prag wird gewiss nie langweilig, denn es gibt nicht nur einige interessante Sehenswürdigkeiten zu entdecken, auch die böhmische Küche sollte man sich in der Hauptstadt Tschechiens nicht entgehen lassen. Was aber wissen Sie über die Geschichte der Stadt? Hätten Sie gewusst, dass diese wie kaum eine andere Metropole Europas eng mit dem Judentum verbunden ist?

Auf Ihrer Klassenfahrt nach Prag, können Sie mit Ihrer Klasse neben der Karlsbrücke und der Prager Burg auch das jüdische Viertel besuchen.

Die Geschichte von Prag: Eng mit dem Judentum verbunden

Wussten Sie, dass die eigentliche Geschichte von Prag mit einem Juden begann? Bis in das 10. Jahrhundert nämlich wusste man in ganz Westeuropa nichts von der Existenz der Stadt an der Moldau. Erst als der spanische Jude Abraham ben Jacob im Jahr 965 Westeuropa besuchte und unter anderem auch nach Prag reiste, erfuhr man anhand dessen Aufzeichnungen von der Existenz der Stadt.
Nur fünf Jahre später besuchte der jüdische Arzt Ibrahim Ibn Jakuv Prag und berichtete unter anderem davon, dass es hier bereits jüdische Synagogen gab. Die Geschichte der Stadt in den folgenden Jahrhunderten ist eng mit dem Judentum verbunden, wobei diese mal privilegiert, aber häufig auch verfolgt wurden.
Im Jahr 1096 während der Kreuzzüge Beispielsweise, kam es zu Ausschreitungen gegen die Prager Juden und etwa 150 Jahre später wurden Teile der Prager Burg sowie des jüdischen Viertels zerstört. Vor allem im Mittelalter wurden die Juden zum Teil stark in ihren Rechten eingeschränkt und ein eigenes Ghetto errichtet.
Im 16. Jahrhundert wiederum gab es die erste hebräische Druckerei in der Stadt und es zog immer mehr Gelehrte nach Prag. Der bekannteste war sicher der Rabbi Löw, doch auch zahlreiche andere Wissenschaftler und Astronomen waren in Prag zu Hause. Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts war Prag ein bedeutendes Zentrum jüdischer Kultur und Literatur. Einer der bekanntesten in Prag ansässigen Juden, der es zu Weltruhm gebracht hat, ist sicher der Schriftsteller Franz Kafka. Auf der Prager Burg, im bekannten Goldenen Gässchen, können Sie das Wohn- und Arbeitshaus 'Nr. 22' von Kafka besichtigen, in dem er einige seiner Werke verfasst hatte. In der Altstadt hingegen lohnt eine Besichtigung des Franz-Kafka-Museums.

Franz Kafka - einer der bekanntesten Prager Einwohner

Franz Kafka wurde im Jahr 1883 als Kind jüdischer Eltern in Prag geboren. Der Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns, studierte nach seiner Schulzeit zunächst Jura in Prag, ehe er bei einer Versicherungsgesellschaft arbeitete. Diese Arbeit musste er aufgeben, da er an Tuberkulose erkrankte. Was viele nicht wissen: Kafka war stark dem Judentum zugewandt, lernte sogar als Erwachsener noch Hebräisch und wollte nach Palästina auswandern. Seine Erkrankung ließ dies allerdings nicht zu. Kafka war ein Einzelgänger; seine Werke eher düster und zum Nachdenken anregend. Vielleicht war der Grund, dass er bereits als Kind die Anfeindungen wie unzählige andere Juden über sich ergehen lassen musste?

Im Jahr 1935, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges also, lebten knapp 400.000 Juden in der Tschechoslowakei. Nur wenige überlebten die Schrecken des Zweiten Weltkrieges. Diese wenigen hielt es auch nach Ende des Krieges nicht im Land, denn sie standen einer feindseligen Bevölkerung gegenüber. Wer nicht da schon nach Israel oder Amerika auswanderte, flüchtete spätestens im Jahr 1968 während des Prager Frühlings.

Die Renaissance des Judentums

Nachdem immer mehr Juden das Land verließen, glaubten eigentlich niemand mehr daran, dass diese Bevölkerungsschicht sich in Tschechien behaupten konnte. Doch es kam anders: Heute erlebt man eine erstaunliche Renaissance des Judentums. Nicht nur Besucher mit jüdischen Wurzeln reisen wieder gerne nach Prag, auch kann man in der Stadt zahlreiche Zeugnisse des Judentums besichtigen. Unbedingt sollten Sie das jüdische Viertel Josefstadt (Josefov) besichtigen, welches so gut erhalten ist wie in kaum einer anderen Stadt. Neben einem geheimnisvollen Friedhof haben Sie hier die Möglichkeit, eine von sechs Synagogen zu besichtigen oder das jüdische Rathaus anschauen. Im Norden der Altstadt gelegen, sollten Sie sich hier während Ihrer Fahrt nach Prag einer der Führungen anschließen. Ein geprüfter Stadtführer wird Ihnen einige interessante Details zum Judentum erzählen und Sie erhalten unter anderem Eintritt in die Maisel-Synagoge, die Spanische Synagoge, den Alten Jüdischen Friedhof, die Jüdische Zeremonienhalle und die Klausen-Synagoge.
Weitere Attraktionen, die im Jüdischen Viertel während Ihrer Fahrt nach Prag auf Sie warten, sind das Geburtshaus von Franz Kafka, das Kunstgewerbemuseum und das Jüdische Museum. Möchten Sie das Jüdische Museum besuchen, können Sie Eintrittskarten gern bei uns erfragen - wir beraten Sie gern. Dieses Museum wurde bereits im Jahr 1906 als drittältestes Museum seiner Art in Europa errichtet. Heute können Sie hier mehr als 200.000 Exponate besichtigen, wobei sich diese an verschiedenen Plätzen innerhalb der Josefsstadt befinden. Unter anderem können Sie Exponate im Jüdischen Rathaus und in jeder der einzelnen Synagogen bestaunen.
In der Klausensynagoge beispielsweise befindet sich eine sehenswerte Dauerausstellung "Jüdische Traditionen und Gewohnheiten". In der Zeremonienhalle wiederum befindet sich die Ausstellung "Jüdische Sitten und Bräuche - Lauf des Lebens". Diese im Jahr 1908 errichtete Zeremonienhalle ist Ihnen besonders ans Herz zu legen. Diese Ausstellung berührt besonders, denn anhand von Zeichnungen, Tagebüchern und Schulheften von jüdischen Kindern erhalten Sie einen Einblick in den Holocaust.

Fazit

Eine Studienfahrt nach Prag gleicht einer Reise in die Vergangenheit, denn man entdeckt an jeder Ecke wichtige und historisch bedeutende Bauten. Vor allem das jüdische Viertel ist absolut sehenswert und wird Ihnen von Ihrer Schulfahrt nach Prag noch lange in Erinnerung bleiben. Für geschichtlich Interessierte ist Prag daher unbedingt zu empfehlen, doch auch die weiteren bedeutenden Bauten wie das Rathaus mit der astronomischen Uhr und die Karlsbrücke sollten Sie in Ihre Reiseplanung aufnehmen.



Geschichte, Klassenfahrt, Prag, Städtereise