Die Côte d'Azur – vom Refugium für Engländer zum allseits beliebten Reiseziel



Eine Klassenfahrt an die Côte d'Azur ... hach, wie belebend. Die Côte d'Azur gehört heute zu einer der beliebtesten Urlaubsregionen in Frankreich, wenn nicht gar Europa. Jedes Jahr kommen an die blaue Küste Millionen von Besucher und erfreuen sich an dem angenehmen Mittelmeerklima mit seinen warmen Sommern und milden Wintern, der schönen Natur und dem reichen kulturellem Angebot. Einst war es aber nicht die Natur und die Kultur, die den Startschuss für die touristische Entwicklung dieser Region gab, sondern vor allem das Klima.


Die Côte d'Azur als Refugium für erkrankte Engländer

Insbesondere die milden Wintermonate lockten am Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Besucher an die Côte d'Azur. Britische Ärzte empfohlen damals ihren Patienten, die an Asthma oder Tuberkulose litten, den feuchten und kalten Winter in Großbritannien zu meiden und ihrer Gesundheit zu liebe die Zeit in einem milderen Klima zu verbringen. So kamen nach und nach immer mehr Briten im Winter in die damals noch beschaulichen Orte wie Cannes, Nizza und Menton und verweilten dort für einige Monate.

Vor allem der Meerblick und die Nähe zum Wasser gefielen den ersten Touristen, weshalb die Städte direkt an der Küste einen touristischen Aufschwung erlebten. Die Stadt Hyères wurde zugegebenermaßen aufwendig mit weitläufigen und schicken Hotels zum Reiseort umgebaut, da sie aber nicht direkt an der Küste lag, verlor sie schnell als Reiseziel im Vergleich zu Nizza und Cannes an Bedeutung. Mit dem Ausbau der Eisenbahnstrecke bis nach Nizza zur Mitte des 19. Jahrhunderts, vereinfachte sich zudem die Anreise.
Die Städte Cannes, Hyères, Antibes und Nizza konnten zwar auf eine lange Besiedlungsgeschichte zurückblicken, aber das Umland war kaum besiedelt und somit auch das Wegenetz nicht gut ausgebaut. Mit der Eisenbahnlinie mussten die Besucher den langen, strapaziösen Weg von London an die Coté d'Azur, der oftmals knappe zwei Wochen dauerte, nicht mehr in Postkutschen und auf Eseln zurücklegen, sondern konnten entspannt mit dem Zug anreisen.

Diese ersten Touristen an der Côte d'Azur waren vor allem aus der wohlhabenden britischen Oberschicht und hatten hohe Ansprüche an die Unterkünfte. So entstanden entlang der Côte d'Azur die ersten palastähnlichen Hotels und Sanatorien mit Freizeiteinrichtungen wie Casinos und Parkanlagen im englischen Gartenstil mit Musikpavillons. Im Jahre 1849 ließ sogar ein englischer Pfarrer aus der Kirchenkollekte eine Uferpromenade in Nizza für die englischen Gäste anlegen. Diese Promenade trägt noch heute den Namen Promenade des Anglais und erinnert neben den vielen palastähnlichen Gebäuden an den britischen Tourismus an der Côte d'Azur im 18. Jahrhundert.

Der Wandel zum ganzjährigen Reiseziel

Bis zum Ersten Weltkrieg kamen die Gäste nur im Winter an die blaue Küste und die Hotels wurden im Sommer geschlossen. Zwischen den beiden Weltkriegen veränderte sich jedoch das Publikum und immer mehr Künstler und Schriftsteller bereisten die Côte d'Azur, die das mediterrane Leben, die Kultur und das Klima auch im Sommer genießen wollten und im Frühjahr nicht abreisten.
Auch immer mehr gut betuchte Aristokraten verweilten über den Winter hinaus an der Küste und es entwickelte sich eine exklusive Urlaubsgegend mit künstlerischem Flair. Für die Sommergäste wurden Sandstrände aufgeschüttet und erweitert, die Promenaden weitläufig zum Flanieren ausgebaut und mit schattenspendenden Palmen gesäumt sowie größere, luxuriöse Hotels und einfache Unterkünfte gebaut.

Doch auch noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts war der Tourismus an der Côte d'Azur ein Saisongeschäft. Im Winter kamen, diejenigen, die niedrigen Temperaturen entfliehen wollten, im Sommer die vergnügungssüchtigen Sonnenanbeter. Im Frühling und Herbst blieben viele der Hotelzimmer immer noch leer. Meist blieben nur die Spieler und Lebenskünstler, die den Ruf als Ferienregion für die Vergnügungssüchtigen verstärkte.
Um diesem entgegenzuwirken und die kulturelle Seite hervorzuheben, wurde in Cannes vom Stadtrat die Idee eines Filmfestivals ins Leben gerufen. Dieses sollte Cannes auch kulturell attraktiv machen und gleichzeitig in der Zwischensaison für ausgebuchte Hotels sorgen.
Das erste Filmfestival in Cannes sollte im September 1939 stattfinden, jedoch wurde dieses durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges abgesagt. Erst im Jahre 1946 wurde die Idee des Festivals verwirklicht und Cannes lud zum allerersten Cannes-Filmfestival ein. Aufgrund von Finanzierungsproblemen fand nach dem Auftakt erst im Jahre 1951 das 2. Cannes-Filmfestspiel mit großem Erfolg statt und die Innenstadt verwandelte sich in ein Mini-Hollywood, da viele berühmte Filmschauspieler und Regisseure anreisten.

Seitdem ist Cannes jährlich im Filmfieber und das Festival sorgt auch in der Nebensaison für ausgebuchte Hotels und internationales Flair. Bis heute sind die Urlaubsorte entlang der Küste Saint-Tropez, Nizza und Cannes in der gehobenen Bevölkerung ein beliebtes Urlaubsziel. Etwa ein Drittel der Hotels hat sich auf dieses gut zahlende Klientel spezialisiert, doch auch für Normalbürger wurden zahlreiche Urlaubsunterkünfte geschaffen. Wo einst nur die besser betuchten Menschen Urlaub machten, ist heute ein Ferienparadies entstanden, das für jeden seine Türen öffnet.



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