Amsterdam – die Börse und die Tulpenpanik



Fachbereich Wirtschaft- bitte nicht gruseln!

Oh je - geht es jetzt um Aktien, ein Investment im Bereich der Landwirtschaft, um den Markt, Wertpapiere und andere Highlights? Nein, wir beleuchten hier das Thema aus einem ganz anderen Winkel - und stellen uns mal vor wie es wäre eine Tulpe zu sein - schön rosa-weiß geflammt oder auch krachgelb.

Amsterdam: Städtereise in die Welt der Grachten, Tulpen und Kaffeehäuser

An was denken Sie als Erstes, wenn Sie erfahren, dass Ihre nächste Klassenfahrt nach Amsterdam geht? Hoffentlich auch mal an die Tulpen, denn diese sind ja so wichtig, dass sie einem beim Stichwort Amsterdam als erstes einfallen müssten ...
Zwar ist es ein echtes Klischee, aber tatsächlich sind die Tulpen nicht nur mit dem täglichen Leben, sondern auch mit der Kultur in Amsterdam stark verwurzelt.

Verbinden Sie Ihre Klassenfahrt nach Amsterdam mit dem Besuch des Keukenhofes und des Tulpenmuseums.

Amsterdams Geschichte und welchen Einfluss die Tulpe dabei spielt

Tulipomania, Tulpenwahn und Tulpenpanik - von diesen Ausdrücken haben Sie noch nie etwas gehört?
Die Geschichte der Tulpen in den Niederlanden begann im Jahr 1593, als Carolus Clusius zum Professor der Botanik ernannt wurde. Zuvor war dieser am Kaiserlichen Heilkräutergarten in Wien angestellt. Hier kannte man die Tulpe, die ursprünglich aus dem Osmanischen Reich stammt, schon länger. Clusius begann schon bald nach seiner Ankunft in den Niederlanden mit der Kultivierung der Tulpen.
Damals waren es vor allem die Tulpen, die heute als fehlerhaft gelten, welche dem Anspruch der gehobenen Kundschaft gerecht wurden. Blütenblätter mit Flammenzeichnung und lebhafte Farben fanden besonders großen Anklang. Schließlich wurden die Tulpen so beliebt, dass es zum regelrechten Tulpenwahn kam und die Preise für die Zwiebeln ins Unermessliche stiegen.

Ähnlich wie heute ein Porsche oder eine Segelyacht, waren die Tulpen damals ein echtes Statussymbol. Im Jahr 1636 schließlich wurden die sogenannten Tulpenbörsen errichtet und die wertvollen Zwiebeln nun auch an der Börse gehandelt. Welches Ausmaß diese Tulpenpanik nahm, ist schwer vorstellbar.

Ein kleines Beispiel: 40 Tulpenzwiebeln wurden zu dieser Zeit für 100.000 Gulden verkauft, wobei das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Niederländers nur etwa 150 Gulden betrug.

Die teuerste Tulpensorte war die Semper Augustus: Eine einzige Zwiebel kostete sage und schreibe 2.000 Gulden. Tulpenzwiebeln wurden für die zehn- bis hundertfache Menge an Gold gehandelt; einige Sorten waren sogar so teuer wie ein Wohnhaus in der Amsterdamer Innenstadt.

Die Folge dieses Hypes: Die Menschen verkauften ihre Wertsachen, um in Tulpen investieren zu können. Schon damals gab es in Amsterdam eine Börse. Allerdings wurden die Tulpen nicht an dieser gehandelt, da hier die Kontrollen recht streng waren.
Vielmehr entwickelte sich ein eigener Absatzmarkt, wo die Regeln nicht ganz so genau genommen wurden. So schnell der Tulpenhype begann, so schnell kam aber auch das bittere Ende.

Bereits im Jahr 1637 sank der Wert der Tulpen praktisch über Nacht um 95 Prozent, denn keiner wollte die Zwiebeln mehr kaufen.
Damit kann die Tulpenpanik durchaus als einer der größten Crashs der Weltgeschichte und kann auch als einer der ersten Crashs überhaupt bezeichnet werden. Riesige Schuldenberge und zerstörte Existenzen waren die Folge. Dennoch sind die Holländer heute die Vorreiter in Sachen Tulpenzüchtung. Auf einer Fläche von etwa 12.000 Hektar werden im Land Tulpen gezüchtet.

Amsterdam und die Tulpen heute

Tulpen nehmen natürlich nach wie vor einen hohen Stellenwert in Amsterdams Geschichte ein. Etwa zwei Milliarden der Blumen sollen jedes Jahr in den Niederlanden produziert werden. Damit ist Holland natürlich weltweit der größte Produzent der Frühlingsblume par excellence.

Von Holland aus werden jedes Jahr Blumenzwiebeln im Gesamtwert von etwa 1,2 Milliarden Euro weltweit exportiert. Allein bei der Hälfte dieser Zwiebeln handelt es sich um Tulpenzwiebeln.

Wichtigstes Exportland mit einem Anteil von immerhin 18 Prozent ist übrigens Deutschland. Auf jeden Fall sollten Sie Amsterdam zur Zeit der Tulpenblüte besuchen, denn die Blütenpracht ist wirklich einmalig. Planen Sie also Ihre Klassenfahrt von Mitte März bis Mitte Mai, denn dann verwandeln sich weite Teile von Holland in ein riesiges Blütenmeer.

Anfang März blühen die ersten Krokusse, danach geht es weiter mit Narzissen und Hyazinthen, ehe etwa von Mitte April bis Anfang Mai die Tulpen in zahlreichen traumhaften Farben leuchten. Holland ist dank seines Klimas hervorragend für die Tulpenzucht geeignet. Diese werden in den sogenannten Poldern gezüchtet. Rund um Amsterdam finden Sie unzählige Tulpenfelder, die allesamt traumhafte Fotomotive abgeben.

Keukenhof und Tulpenmuseum: Auf den Spuren der Tulpe

Wenn Sie sich nun noch etwas mehr für die Tulpen in Amsterdam interessieren, sollten Sie während Ihrer Schulfahrt dem Tulpenmuseum im Amsterdamer Stadtteil Jordaan einen Besuch abstatten. In diesem Museum erfahren Sie unter anderem alles Wissenswerte zur Tulpenpanik im 17. Jahrhundert und erhalten ebenso Einblick in den niederländischen Gartenbau. Das im Jahr 2004 eröffnete Museum befindet sich in der Prinsengracht. In dieser Straße steht auch das Anne-Frank-Haus. Es ist daher empfehlenswert, beide Sehenswürdigkeiten miteinander zu kombinieren. Das Tulpenmuseum ist zwar eines der kleinsten Museen der Stadt, dennoch lohnt ein Besuch allein schon wegen der angenehmen Gerüche.

Auch der Keukenhof, der weltweit größte Blumenpark, ist definitiv einen Besuch wert. Dieser befindet sich nur etwa 30 Minuten von Amsterdam entfernt, sodass Sie ihn gut während Ihrer Schulfahrt in die holländische Hauptstadt besuchen können. In der Provinz Südholland gelegen, erwarten Sie hier sage und schreibe sieben Millionen Blumenzwiebeln. Im schönsten Frühlingspark der Welt werden Sie nicht nur von den Farben, sondern auch von den Düften begeistert sein.

Amsterdam hat noch eine weitere Attraktion zu bieten: In Aalsmeer befindet sich das größte Blumenauktionshaus der Welt. Hier können Sie dabei zusehen, wie Millionen von Tulpen und anderen Blumenarten versteigert werden.
Auch die Blumenversteigerung FloraHolland erreichen Sie nach einer nur kurzen Fahrt von Amsterdam aus.
Direkt an der Singelgracht in Amsterdam gibt es zudem einen schwimmenden Blumenmarkt. Dieser ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, während Ihrer Klassenreise die Blumenvielfalt in der niederländischen Hauptstadt zu entdecken. Der sogenannte Bloemenmarkt besteht bereits seit dem Jahr 1862 und ist neben den bekannten Sehenswürdigkeiten von Amsterdam wie den Grachten oder dem Anne-Frank-Haus eines der Top Ziele während einer Städtereise.

Fazit

Sicher verstehen Sie jetzt, warum die Geschichte der Stadt Amsterdam eng mit den Tulpen verbunden ist. Nach der Besichtigung von Tulpenmuseum und Keukenhof während Ihrer Klassenreise werden sicher auch Sie vom Tulpenwahn angesteckt sein ...



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