Josef Gočár und der tschechische Kubismus



Prag ist ein Mekka für Architekturfreunde. Der Kubismus in Prag ist wenig bekannt und doch finden sich mitten in der historischen Altstadt Prags weltweit einzigartige Beispiele der kubistischen Architektur.

Kubismus kennt man in erster Linie in der Malerei und eventuell noch in der Plastik, aber in der Architektur? Pablo Picasso und Georges Braque in Frankreich waren seine Protagonisten in der Malerei. Das war schließlich auch die Quelle der Inspiration für die jungen Prager Architekten um Pavel Janák, Josef Chochol, Josef Gočár und Vlatislav Hofmann. Entdecken kann man die ab 1910 entstandene ganz eigene Architekturrichtung des tschechischen Kubismus bei einer Klassenfahrt nach Prag. Sie zeichnet sich vor allem durch ihre geometrischen Grundformen, wie den Würfel und den Kristall aus.

Die Zeit des tschechischen Architekturkubismus währte zwischen 1910 und 1914 und damit nur sehr kurz und wurde durch den ausbrechenden 1. Weltkrieg jäh beendet. Aber er lebte nach dem Ende des Krieges im so genannten Rondokubismus fort. Der Rondokubismus war eine Reaktion auf den, mit der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik 1918 aufkommenden Ruf nach einer nationalen Kunst. In ihm werden einige Elemente des Kubismus mit bekannten Ornamenten aus der tschechischen Volks- und Bauernkunst kombiniert. Von (halb-)runden beziehungsweise zylindrischen Ornamenten erhielt der Rondokubismus seinen Namen.

Josef Gočár gehörte zu den wichtigsten im Stil des Kubismus arbeitenden tschechischen Architekten. Nach seinen Entwürfen entstand 1911 - 12 in Prag die Ikone der kubistischen Architektur, das Kaufhaus Zur schwarzen Madonna am Ovocný trh (Obstmarkt). Die Außengestaltung beeindruckt mit kubistischen Elementen, die sich erstaunlich gut in die vorhandene barocke Bebauung einpassen. Heute befindet sich im ersten Stock ein Café mit nachgebildetem kubistischen Interieur. Außerdem befindet sich in dem Gebäude das Prager Museum des tschechischen Kubismus und im Erdgeschoss gibt es einen Laden mit Nachbildungen kubistischen Kunsthandwerks und Literatur zum Kubismus.

Im Stil des Rondokubismus hat Gočár 1921 - 23 die Legiobank geschaffen. Daher auch der Begriff Legiobankstil für Rondokubismus. Ornamente und ein reicher Figurenschmuck zieren die Fassade. Im Inneren beeindruckt die prachtvolle Schalterhalle. Auch in weiteren tschechischen Städten hat Gočár seine kubistischen Spuren hinterlassen, z. B. mit dem Kurhaus in Láznĕ Bohdaneč. Vor allem aber als Stadtplaner und Architekt in Hradec Králové.



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